24.1.2005, 19:50 Uhr
Soziologen kartieren innerschulisches Beziehungsnetz
Das Beziehungsgeflecht in einer weiterführenden Schule hat ein amerikanisches Soziologentrio im Detail erforscht. Weit entfernt von einem "Schulmädchenreport", erlaubt ihre Arbeit erstmals einen Blick auf das jugendliche Lieben und Leiden aus Sicht der Netzwerkforschung. Das Resultat: In jungen Jahren liebt es sich noch gänzlich anders als im Erwachsenenalter.
"Als wir diese Arbeit begannen, erwarteten wir so etwas wie ein Kernmodell, mit einer kleinen Gruppe sexuell aktiver Personen", erläutert James Moody von der Ohio State University in Columbus. "Zu unserer Überraschung stießen wir auf einen völlig anderen Netzwerktyp." Ein großer Teil der Zehnt- bis Zwölftklässler war in romantische bzw. rein sexuelle Beziehungen verstrickt. Anders als unter Erwachsenen, war das resultierende Netz jedoch extrem weitmaschig und enthielt zahlreiche isolierte Unternetze.
Grafik: Ohio State University
Die Forscher studierten eine Highschool mit rund 1.000 Schülern und Schülerinnen im ländlichen Mittleren Westen der Vereinigten Staaten. Von 832 Interviewten gaben 573 an, in den letzten 18 Monaten romantische bzw. sexuelle Beziehungen gehabt zu haben, und nannten die jeweiligen Partner. Gut die Hälfte der Jugendlichen, 288, waren demnach durch gemeinsame Partner miteinander verbunden. In diesem weitläufigen Bekanntenkreis musste man bis zu 37 Zwischenstationen ablaufen, um von einer Person zur anderen zu gelangen. Bei Erwachsenen dagegen sorgen einige extrem "umtriebige" Personen für kurze Wege zwischen einander wildfremden Menschen.
Neben diesem großen Netz fanden die Forscher nur wenige Netze mittlerer Größe - 189 Schüler und Schülerinnen bildeten Netze mit höchstens drei Knoten und 126 sogar isolierte Paare. Im Hinblick auf Geschlechtskrankheiten signalisierten die Resultate jedoch keine Entwarnung, so Moody. Während bei Erwachsenen viel bewirkt werden könne, wenn man einige Schlüsselpersonen erreiche, gebe es bei den Heranwachsenden keine solchen Kerngruppen. "Sie sind alles andere als promisk", so der Soziologe. "Allerdings haben sie auch keinen Überblick über die Beziehungskette."
Forschung: James W. Moody, Department of Sociology, Ohio State University, Columbus; Peter S. Bearman, Institute for Social and Economic Research and Policy, Columbia University, New York; Katherine Stovel, Center for Statistics and the Social Sciences, University of Washington, Seattle
Veröffentlicht in American Journal of Sociology, Vol. 110(1), pp 44-91
WWW:
Sociology, Ohio State University
National Longitudinal Study of Adolescent Health
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