21.1.2005, 18:04 Uhr
Klimawandel lässt Flüsse anschwellen

Seit Mitte des 20. Jahrhunderts fließt immer mehr Süßwasser in das Nordpolarmeer. Modellrechnungen britischer Klimaforscher deuten nun auf den Menschen als Verursacher hin. Die gestiegene Wasserführung lässt sich demnach nur nachvollziehen, wenn anthropogene Einflüsse auf das Klima berücksichtigt werden.

"Dies spricht dafür, dass Veränderungen im globalen Wasserkreislauf, wie sie als Folge der globalen Erwärmung vorhergesagt wurden, bereits im Gange sind", erläutert Peili Wu vom Hadley Centre des Met Office in Exeter. "Unser Modell sagt voraus, dass diese Veränderungen sich in den kommenden Jahrzehnten intensivieren werden. Dies könnte Folgen für die Wasserversorgung und das Risiko von Überschwemmungen haben."

Erde mit Wolken aus dem All gesehen

Bild: NASA Johnson Space Center - Earth Sciences and Image Analysis (NASA-JSC-ES&IA)

Indem mehr Wasser verdunstet und die wärmere Luft mehr Wasser aufnehmen kann, sollte die globale Erwärmung zu stärkeren Niederschlägen in hohen Breiten führen. Vor zwei Jahren hatte eine internationale Forschergruppe berichtet, die eurasischen Flüsse brächten tatsächlich mehr Wasser ins das Nordpolarmeer. Die Wasserführung von Severnaya Dvina, Petschora, Ob, Jenissei, Lena und Kolyma ist demnach von 1936 bis 1999 um rund sieben Prozent gestiegen - entsprechend 128 Kubikkilometern Wasser pro Jahr.

Wu und Kollegen nutzten nun ein Computermodell, um die Ursachen dieses Anstiegs zu ergründen. Die erhöhte Wasserführung geht demnach tatsächlich auf stärkere Regen- und Schneefälle zurück, berichten die Forscher im Fachblatt "Geophysical Research Letters". Nachvollziehen ließ sich der beobachtete Anstieg allerdings nur, wenn erhöhte Kohlendioxidkonzentrationen in der Atmosphäre und andere menschliche Einflussfaktoren berücksichtigt wurden. Allein mit natürlichen Faktoren, etwa Schwankungen der Sonneneinstrahlung oder Vulkanausbrüche, ergaben die Modellrechnungen keinen entsprechenden Trend.


Forschung: Peili Wu, Richard Wood und Peter Stott, Hadley Centre for Climate Prediction and Research, Met Office, Exeter

Veröffentlichung in Geophysical Research Letters, Vol. 32, L02703, DOI 10.1029/2004GL021570

WWW:
Hadley Centre for Climate Prediction and Research
Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung
Mehr Süßwasser für das Polarmeer
Klimasprung: Mehr Wasser in nordamerikanischen Flüssen

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