19.1.2005, 19:18 Uhr
Vaterschaft unter falscher Flagge

Australische Riesensepien sind für regelrechten Orgien bekannt, bei denen wenige Weibchen von vielen Männchen bedrängt werden. Kleine Männchen bedienen sich dabei häufig einer Art "Travestie", um an die wohlbewachten Weibchen heranzukommen. Mit Erfolg, zeigen nun von einer internationalen Forschergruppe angestellte Vaterschaftstests.

In zwei von fünf Fällen legt das jeweilige Weibchen mindestens ein Ei, das von dem trügerischen Männchen stammt, berichten Roger Hanlon vom Marine Biology Laboratory, Woods Hole, im Magazin "Nature". "Unseres Wissens nach, ist dies die erste Demonstration eines unmittelbaren Befruchtungserfolges bei einer Tierart, die fakultative Mimikry als Teil einer konditionalen Paarungsstrategie einsetzt."

Foto: 'Transvestit' mogelt sich an zwei 'Bewachern' vorbei

Ein 'Transvestit' (rechts) mogelt sich an zwei 'Bewachern' vorbei. Unten links ein Weibchen. Foto: Copyright Fred Bavendam / MBL

Heimisch in südaustralischen Gewässern, halten Riesensepien (Sepia apama) alljährlich Massenpaarungen ab, bei denen auf jedes Weibchen bis zu elf Männchen kommen. Vor einigen Jahren war beobachtet worden, dass kleinere Männchen angesichts dieses unausgewogenen Geschlechterverhältnisses zu einem erstaunlichen Trick greifen: Die Tiere nehmen die Färbung von Weibchen an und verbergen ihren Begattungsarm. Derart getarnt, können sie an Weibchen herankommen, die von größeren Männchen bewacht werden, und in einem unbeobachteten Augenblick ihr Glück versuchen.

Hanlon und seine Kollegen konnten nun den Ausgang von fünf solchen Manövern verfolgen. In zwei Fällen wurde der "Transvestit" abgewiesen bzw. von dem Bewacher vertrieben. In den übrigen Fällen kam es zur Begattung, und zwei der daraufhin abgelegten Eier stammten tatsächlich von den kleinen Männchen. Für die hat die Maskerade allerdings nicht nur Vorteile, beobachteten die Biologen. Häufig wurden sie von Geschlechtsgenossen bedrängt - mitunter sogar von solchen, die ebenfalls unter falscher Flagge operierten.


Forschung: Roger T. Hanlon, Marine Resources Center, Marine Biological Laboratory, Woods Hole, Massachusetts; Marié-Jose Naud, Paul W. Shaw und Jon N. Navenhand, School of Biological Sciences, University of London, Egham, und School of Biological Sciences, Flinders University, Adelaide

Veröffentlicht in Nature, Vol. 433, 20. Januar 2005, p 212

WWW:
Hanlon Lab
Sepia apama

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