5.1.2005, 21:17 Uhr
Zu viel Plastik im Vogelmagen
Plastikmüll gefährdet zunehmend die Gesundheit von Seevögeln. Diese nehmen Kunststoffpartikel mit der Nahrung auf, berichten holländische Forscher. Bereits 95 Prozent aller tot an den Nordseestrand gespülten Eissturmvögel (Fulmarus glacialis) haben Plastikabfall im Magen.
Ein in Dänemark gefundenes Exemplar brachte es auf 20,6 Gramm Kunststoff im Bauch. Umgerechnet auf den menschlichen Magen entspricht die Menge rund zwei Kilogramm.
Eissturmvögel jagen Fische oder suchen sich ihre Beute im Kielwasser von Fischfängern. Dabei hochgespülter Plastikabfall wird mit geschluckt. Die Vögel würden zu "fliegenden Mülltonnen", so der Meeresbiologen Jan van Franeker gegenüber dem Magazin "New Scientist".
Van Franekers Team, welches auf der niederländischen Insel Texel eine Forschungsstation betreibt, untersuchte innerhalb von zwei Jahren die Mägen von 560 toten Eissturmvögeln aus acht Nordsee-Anrainerstaaten.
In den Vögeln fanden die Forscher durchschnittlich 44 Plastikteilchen. Ein Extremfall aus Belgien brachte es gar auf 1603 Kunststoff-Schnipsel. Im Schnitt trug jeder Vogel 0,33 Gramm Müll mit sich herum. Zwar sei nicht nachweisbar, dass dies den Tod der Vögel verursachte, so van Franeker, doch erschwere der Abfall vermutlich die Verdauung und gebe Giftstoffe an den Organismus ab.
Besonders viel Kunststoffmüll müssen offenbar Eissturmvögel an der französischen und der deutschen Küste ertragen: Vögel, die an den viel befahrenen Nordsee-Routen leben, sind zwei- bis viermal stärker betroffen als ihre Artgenossen von den abgelegenen Färöer-Inseln. Dies lasse auf illegale Müllentsorgung seitens der Fischfangflotten und Frachtschiffe schließen, so van Franeker.
Foto: ALTERRA/Franeker
Forschung: Jan van Franeker, Alterra
Save the North Sea
Eine frühere Studie Franekers zum Thema (PDF)
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