16.11.2004, 16:56 Uhr
Grube Messel: Gifttod in der Vorzeit?
Eine frühsommerliche Algenblüte könnte für die reichhaltigste Fossilien-Lagerstätte Deutschlands verantwortlich sein. Diese Hypothese stellen Bonner Forscher in der "Paläontologischen Zeitschrift" auf. Demnach könnten Vertreter der unterschiedlichsten Tiergruppen nach dem Genuss vergifteten Seewassers noch an Ort und Stelle gestorben sein.
Bereits 1875 wurden in der südhessischen Braunkohlegrube Messel Überreste eines vorzeitlichen Krokodils gefunden. Seitdem sind zahlreiche weitere, gut erhaltene Fossilien aus der Zeit vor 47 Millionen Jahren hinzugekommen, darunter etwa Überreste von winzigen Pferden, Fledermäusen, Vögeln oder Käfern. Bei den Säugern ist meist sogar Mageninhalt erhalten - verhungert sind die Tiere offenbar nicht. Und vulkanische Gase, eine häufig vermutete Todesursache, dürften sich über dem großen vorzeitlichen See rasch aufgelöst haben.
Foto: Hessisches Landesmuseum Darmstadt
Eine neue Erklärung schlagen nun Wighart von Koenigswald und seine Kollegen von der Universität Bonn vor. Bei der Sichtung des Fossilienmaterials fiel ihnen auf, dass die fünf trächtigen Stuten, die in verschiedenen Schichten des Messeler Ölschiefers gefunden worden waren, zum gleichen Zeitpunkt gestorben sein müssen. Die Föten der Tiere waren nämlich gleich weit entwickelt. Ähnliche Hinweise liefern fünf Schildkröten-Pärchen, die offensichtlich während der Kopulation, also ebenfalls in der gleichen Jahreszeit, hingerafft wurden.
Eine weiteres Indiz lieferte schließlich die Beobachtung, dass sich in dem Messeler Sediment Kalklagen abzeichnen, in denen die Forscher andernorts bereits Toxine von Cyanobakterien hatten nachweisen können. Bei Massenvermehrungen der Einzeller können sie das Wasser derart vergiften, dass der Genuss beinahe augenblicklich zum Zusammenbruch führt. Das gilt für Landtiere ebenso wie für Vögel und sogar für Fledermäuse, die im Flug von der Wasseroberfläche nippen. Von Koenigswald und Kollegen schlagen daher vor, dass eine solche Algenblüte für den Fossilienreichtum der Grube Messel verantwortlich zeichnet. Dieses Modell müsse allerdings noch durch weitere Untersuchungen bestätigt werden.
Forschung: Thekla Pfeiffer, Andreas Braun und Wighart von Koenigswald, Institut für Paläontologie, Universität Bonn
WWW:
Paläontologie, Uni Bonn
Die Grube Messel
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