19.11.2004, 14:38 Uhr
Atacama: Leben im Untergrund
Auch in einer der trockensten Regionen der Erde lässt sich Leben finden, wenn man nur tief genug gräbt. Diese Einsicht folgt aus einem kollegialen Zwist, den zwei Forschergruppen im Magazin "Science" austragen. Praktische Bedeutung könnten ihre Resultate für die Suche nach Leben auf anderen Planeten haben.
Im Mittelpunkt des Streits steht die südamerikanische Atacama-Wüste. Die Anden im Osten und der kalte Humboldtstrom im Westen sorgen dafür, dass in dieser Region praktisch kein Regen fällt. Zwar trotzen mehrere Hunderttausend Chilenen diesen Bedingungen. Des ungeachtet gilt die Atacama jedoch als derart lebensfeindlich, dass die US-Weltraumbehörde NASA sie als Modell für den ausgedörrten Mars nutzt.
Trost-, nicht leblos. Foto: Julio L. Betancourt, U.S. Geological Survey
Tatsächlich genügt der Wüstenboden diesen Ansprüchen, hatten Rafael Navarro-González von der Universidad Nacional Autónoma de México und Kollegen im letzten Jahr berichtet. Bei der Analyse zweier Bodenproben hatten sie kaum Mikroben und keinerlei DNA nachweisen können. Ganz anders Raina Maier von der University of Arizona, Tucson, und ihr Team: "Wir haben Leben gefunden, wir können es kultivieren und wir können seine DNA extrahieren und untersuchen", so die Mikrobiologin.
Wie Maier und Kollegen jetzt berichten, fanden sie selbst in der trockensten Gegend der Atacama bis zu 100.000 vermehrungsfähige Bakterienzellen pro Gramm Boden - ein Bruchteil des Wertes in hiesigem Ackerboden, jedoch ein Vieltausendfaches des von Navarro-González und Kollegen angegebenen Wertes. Die Atacama sei also weit davon entfernt, die Grenze des Lebens darzustellen, schreiben Maier und ihr Team. Offenbar hätten ihre Kollegen nicht gründlich genug gesucht.
Des Rätsels Lösung scheint in der Tiefe zu liegen, aus der die Bodenproben stammen. Während Maier und ihr Team bis zu 30 Zentimeter tief gruben, nahmen Navarro-González und Kollegen nur oberflächliche Bodenproben. Die Gruppe betont, mittlerweile habe sie ähnliche Resultate veröffentlicht, sodass "wir keine Notwendigkeit sehen, unsere Ergebnisse und Schlussfolgerungen einer neuerlichen Prüfung zu unterziehen". Letztlich stimmen sie jedoch mit ihren Kollegen überein, dass der Art der Probenentnahme in extremen Umwelten auf Erde und Mars entscheidende Bedeutung zukomme. Oder, wie es Maiers Kollege Jay Quade formuliert: "Man darf nicht nur an der Oberfläche kratzen."
Forschung: Raina M. Maier und Jay Quade, Department of Soil, Water and Environmental Science und Department of Geosciences, University of Arizona, Tucson; Rafael Navarro-González, Instituto de Ciencias Nucleares, Universidad Nacional Autónoma de México, und Christopher P. McKay, Space Science Division, NASA Ames Research Center, Moffett Field, Kalifornien; und andere
Veröffentlicht in Science, Vol. 302, 7. November 2003, pp 1018-21, und Vol. 306, 19. November 2004, p 1289
WWW:
Homepage Raina Maier
Homepage Rafael Navarro-González
Virtuelles Atacama-Museum
Life in the Atacama 2004
Leben im Schotter
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