11.11.2004, 16:20 Uhr
Marsmond Phobos in der "Todesspirale"?
Als pockennarbige Knolle präsentiert sich der Marsmond Phobos auf neuen Aufnahmen der europäischen Raumsonde Mars Express. Erstaunlicherweise befand sich der Mond dabei etwa fünf Kilometer vor seiner vorhergesagten Position. Laut Mitteilung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) könnte dies auf eine dramatische Zukunft hindeuten.
Möglicherweise handle es sich um ein Anzeichen einer orbitalen Beschleunigung, die den winzigen Mond auf einer spiralförmigen Bahn immer näher an den Mars heranbringe. Falls dies zutreffe, könnte Phobos in etwa 50 Millionen Jahren im Gravitationsfeld des Planeten förmlich zerrissen werden, die Trümmer könnten dann einen kurzlebigen Ring um den Mars bilden. Denkbar sei aber auch, dass der Mond als Ganzes auf den Mars stürze.
Bild: Copyright ESA/DLR/FU Berlin (G. Neukum)
Der Mars besitzt zwei Monde, Phobos und Deimos ("Furcht" und "Schrecken"). Ersterer ist etwa 27 mal 22 mal 19 Kilometer groß und umkreist den Planeten in einer Höhe von kaum 6.000 Kilometern. Am 22. August diesen Jahres nahm die hochauflösende Stereokamera (HRSC) an Bord von Mars Express den Trabanten aus einer Entfernung von weniger als 200 Kilometern unter die Lupe. Die dabei erstellten Aufnahmen besitzen eine Auflösung von lediglich sieben Metern pro Bildpunkt.
Gut zu erkennen sind parallele Furchen auf der dem Mars zugewandten Seite des Mondes. Das regelmäßige Muster durchzieht auch die großen Krater auf Phobos. Vielleicht handelt es sich um "Schrammen", die sich Phobos bei Kollisionen mit Gesteinsbrocken zugezogen hat, so die DLR-Forscher. Eine andere denkbare Ursache seien tektonische Spannungen, die sich in dem Mond durch starke Gezeiten-Wechselwirkungen mit dem Mars aufgebaut hätten.
Forschung: Ralf Jaumann, DLR-Institut für Planetenforschung, Berlin-Adlershof; Gerhard Neukum, Institut für Geologische Wissenschaften, Freie Universität Berlin; und andere
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