11.11.2004, 11:54 Uhr
Senkrechtstart für Fledermäuse
Die Veränderung eines einzigen Gens könnte den Fledermäusen den Luftraum erschlossen haben. Das zeigen die Experimente amerikanischer Biologinnen, berichtet das Magazin "New Scientist" in seiner neuen Ausgabe. Die Resultate könnten erklären, warum die Flattertiere schlagartig, scheinbar ohne Übergangsformen, im Fossilienmaterial auftauchten.
"Die ersten Fledermäuse ähneln ihren heutigen Vettern insofern, als sie bereits die Schlüsselmerkmale des Flatterflugs aufweisen, etwa stark verlängerte Finger und dazwischen aufgespannte Flughäute", erläutern Karen Sears und Lee Niswander von der University of Colorado in Denver. Ihr Vergleich heutiger und fossiler Fledermäuse zeigte, dass sich das Verhältnis von Fingerlänge zu Körpergröße in den letzten 50 Millionen Jahren nicht geändert hat.
Um mehr über die Entwicklung des Fledermaus-Flügels zu erfahren, verglichen die Forscherinnen die Embryonalentwicklung von Brillenblattnasen (Carollia perspicillata) und Hausmäusen (Mus musculus). Wie sie jetzt auf dem Jahrestreffen der Society of Vertebrate Palaeontology in Denver berichteten, verlaufen Anlage und Segmentierung der Fingerknochen bei den beiden Arten vollkommen gleich. Schließlich entwickeln die Fledermausföten jedoch deutlich aktivere Wachstumsfugen nahe der Knochenenden. Das Resultat ist ein sehr viel stärkeres Längenwachstum der Fingerknochen.
Die Ursache vermuten Sears und Niswander im Wachstumsfaktor "bone morphogenetic protein 2", kurz BMP2. Ihre Untersuchungen zeigten, dass das zugehörige Gen in den Wachstumsfugen von Fledermausföten stärker abgelesen wird als in denen von Mäuseföten. Tatsächlich entwickelten letztere nach Zugabe von BMP2 sehr viel längere Fingerknochen, berichten die Biologinnen. In der veränderten Aktivität eines einzigen Gens, BMP2, sehen sie daher eine mögliche Erklärung für die rapide Evolution der Fledermäuse.
Forschung: Karen Sears und Lee Niswander, Memorial Sloan Kettering Cancer Center, New York; Richard Behringer, M.D. Anderson Cancer Center, Houston, Texas
Präsentation auf dem 64th Annual Meeting of the Society of Vertebrate Palaeontology, Denver
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New Scientist
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