10.11.2004, 19:31 Uhr
Turbulente Zeiten auf Uranus
Indem sich der Winter auf dem Uranus seinem Ende nähert, erwacht die Atmosphäre des Planeten aus ihrem Dornröschenschlaf. Das berichten zwei amerikanische Astronominnen und Kollegen auf einer Fachtagung. Die wechselnde Sonneneinstrahlung türmt Wolken auf, treibt Sturmwinde an und lässt zudem die feinen Ringe des Planeten jeden Tag heller erstrahlen.
Diese Vorgänge widerlegten die Annahme, der siebte Planet des Sonnensystems sei eine langweilige und unveränderliche Welt, erläutert Imke de Pater von der University of California in Berkeley. "Dort geht etwas Bemerkenswertes vor sich", so die Astronomin, "der Planet wird immer aktiver, je näher die Tag-Nacht-Gleiche rückt." Ein Zeichen der neuen Aktivität seien bis zu 400 Kilometer pro Stunde schnelle Winde auf der Nordhalbkugel.
Bilder: Heidi Hammel and Imke de Pater
Seit vier Jahren hält die Gruppe um de Pater und ihre Kollegin Heidi Hammel vom Space Science Institute in Boulder, Colorado, den Uranus im Blick. Für ihre Beobachtungen nutzen die Forscherinnen eines der riesigen Keck-Zwillingsteleskope auf Hawaii. Dank der adaptiven Optik des Teleskops und einer neu installierten Infrarotkamera können sie bessere Aufnahmen des Planeten erstellen, als es die Sonde Voyager 2 bei ihrem Vorbeiflug im Jahr 1986 vermocht hatte.
Uranus liegt förmlich auf der Seite und hatte der Sonne damals seinen Südpol zugewandt. Gut ein Viertel Uranus-Jahr später, steht die Sonne nun hoch über dem Äquator. Derweil konnten die Forscherinnen erstmals in großen Höhen liegende Wolken über der Südhalbkugel des Planeten beobachten - erkennbar als stark reflektierende Massen, die sich ihren Weg durch die Infrarotlicht absorbierende Atmosphäre gebahnt haben. "Derart starke Konvektion haben wir dort niemals zuvor gesehen", so de Pater. Grund sei vermutlich die veränderte Geometrie. "Diese Region des Uranus erlebt nun Tag und Nacht, während des Voyager-Vorbeiflugs lag sie dagegen ständig im Sonnenlicht."
Bilder: Imke de Pater, Heidi Hammel und Sarah Gibbard
Forschung: Imke de Pater, Department of Astronomy, University of California, Berkeley; Heidi B. Hammel, Space Science Institute, Boulder, Colorado; und andere
Präsentation auf dem 36th Meeting of the Division of Planetary Sciences of the American Astronomical Union, Louisville, Kentucky
WWW:
Homepage Imke de Pater
Uranus
W.M. Keck Observatory
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