11.11.2004, 19:54 Uhr
Zugvögel "scannen" das Erdmagnetfeld
Wenn Zugvögel ihren inneren Kompass ablesen, tun sie das mit einer gut sichtbaren Bewegung. Entsprechende Resultate präsentieren Oldenburger Forscher im Fachblatt "Current Biology". Demnach tasten die Tiere das Erdmagnetfeld ab, indem sie in regelmäßigen Abständen den Kopf hin und her drehen.
"Wir haben bei Gartengrasmücken in Käfigen beobachtet, dass sie nachts, wenn sie normalerweise in Richtung ihrer Winter- bzw. Sommerquartiere fliegen würden, regelmäßig den Kopf schütteln, und dass dieses Kopfschütteln zunimmt, wenn das Magnetfeld der Erde für sie nicht spürbar ist", erläutert Henrik Mouritsen von der Universität Oldenburg. Bislang habe man diese auffälligen Bewegungen kaum beachtet.
Foto: Universität Oldenburg
Zugvögel nutzen das Magnetfeld der Erde, um auf ihren oft Tausende Kilometer langen Wanderungen nicht vom Kurs abzukommen. Laut Mouritsen und Kollegen bestätigen die neuen Resultate, dass der entsprechende Magnetsensor im Kopf - höchstwahrscheinlich in der Netzhaut der Augen - liegt. Erst kürzlich hatte die Arbeitsgruppe Lichtrezeptoren in der Vogelnetzhaut gefunden, die für diesen Zweck geeignet scheinen. Diese Cryptochrome könnten je nach ihrer Orientierung in einem äußeren Magnetfeld unterschiedlich gut auf Licht ansprechen - möglicherweise "sehen" Zugvögel das Erdmagnetfeld also in Form von Helligkeitsunterschieden.
Bei ihren neuen Experimenten setzten die Forscher jeweils eine Gartengrasmücke (Sylvia borin) in einen Käfig, und beobachteten mit Infrarot-Kameras das Verhalten der Tiere. Dem natürlichen Erdmagnetfeld ausgesetzt, drehten die Tiere den Kopf etwa einmal pro Minute zur Seite, und richteten sich dann häufig in ihre genetisch vorbestimmte Hauptflugrichtung. War das Erdmagnetfeld in den Käfigen neutralisiert, stieg die Rate der Kopfbewegungen deutlich an, zudem schienen sich die Vögel nun rein zufällig auszurichten.
Forschung: Henrik Mouritsen, Gesa Feenders, Miriam Liedvogel und Wiebke Kropp, Institut für Biologie und Umweltwissenschaften, Universität Oldenburg
Veröffentlicht in Current Biology, Vol. 14, pp 1946-9, DOI 10.1016/j.cub.2004.10.025
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Homepage der Arbeitsgruppe
Zugvögel sehen Magnetfelder
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