16.2.2005, 20:50 Uhr
Nächste Runde: Leben auf dem Mars?
Ein neues Indiz für Leben auf dem Mars glaubt ein italienischer Physiker gefunden zu haben. Das berichtet das Magazin "New Scientist" in seiner neuen Ausgabe. Auf dem Nachbarplaneten der Erde werden nach Ansicht des Forschers deutlich größere Mengen von Methan freigesetzt, als durch geologische Aktivität erklärbar ist.
Seit der Mars erforscht wird, steht die Frage nach Leben auf dem roten Planeten im Raum - zumal sich auf der Erde immer wieder Organismen in zuvor steril geglaubten Umgebungen finden. Zuletzt hatte die Entdeckung von Methan in der Marsatmosphäre für Diskussionsstoff gesorgt.
Insbesondere Vittorio Formisano vom Istituto di Fisica dello Spazio Interplanetario in Rom sah darin ein Indiz für Stoffwechsel betreibende Organismen. Andere Forscher hielten dagegen, die marsweite Produktion von schätzungsweise 150 Tonnen Methan pro Jahr könne auf geologische Prozesse zurückgehen.
Formisano hält diese Schätzung nun für bei weitem zu niedrig. Der Chefwissenschaftler des Planetary Fourier Spectrometer (PFS) an Bord der Sonde Mars Express kombinierte Tausende von Einzelmessungen und fand darin Absorptionslinien von Formaldehyd. Seiner Ansicht nach liegt die Konzentration der Verbindung in der Atmosphäre bei 130 ppb (parts per billion, Kubikmillimeter pro Kubikmeter).
Und sollte es aus der Oxidation von Methan hervorgegangen sein, müsste davon sehr viel mehr freigesetzt werden, nämlich etwa 2,5 Millionen Tonnen pro Jahr. "Meine Schlussfolgerung lautet: Es muss Leben im Marsboden geben", zitiert das Magazin den Forscher.
Formisano will seine Resultate in der nächsten Woche auf der 1st Mars Express Science Conference im niederländischen Nordwijk vorstellen. Für eine lebhafte Diskussion dürfte gesorgt sein, da die meisten Forscher sein Fazit für übereilt halten.
Einerseits sei das PFS nicht ausreichend empfindlich, um Formaldehyd eindeutig nachzuweisen. Andererseits könne man nicht sagen, ab welcher Produktionsrate man einen biologischen Beitrag in Betracht ziehen könne, erläutert Michael Mumma vom Goddard Space Flight Center in Greenbelt, Maryland. "Wir wissen überhaupt nicht, wie die innere Geologie de Mars aussieht."
Forschung: Vittorio Formisano, Istituto di Fisica dello Spazio Interplanetario, Rom; und andere
Homepage Vittoria Formisano
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