8.12.2004, 15:58 Uhr
Keine paranormale Erfahrung durch Magnetfelder
Sehr schwache Magnetfelder lösen keine paranormalen Erfahrungen aus, sind schwedische Psychologen und Mediziner überzeugt. Damit widersprechen sie früheren Studien, die entsprechende Resultate erbracht hatten. Zwar beschrieben auch bei der neuen Untersuchung einige Probanden ungewöhnliche Empfindungen. Diese waren allerdings unabhängig davon, ob das Magnetfeld eingeschaltet war oder nicht.
Seit vielen Jahren nutzen Neurowissenschaftler das Verfahren der transkraniellen Magnetstimulation. Ähnlich wie bei einem Transformator, induziert dabei ein starker Magnetpuls einen schwachen Strom im Gehirn. Wird eine solche Stimulation des Schläfenlappens mit extrem schwachen und komplexen Magnetpulsen durchgeführt, nehmen laut früheren Studien bis zu 80 Prozent der Probanden die Gegenwart eines empfindungsfähigen Wesens wahr - und das, obwohl sie völlig allein im Untersuchungsraum sind. Da dieses Ergebnis auch aus theologischer Sicht interessant ist, hatte es entsprechende Aufmerksamkeit erregt. Laut Mitteilung des Schwedischen Wissenschaftsrates werden Magnetstimulatoren inzwischen sogar im Internet feilgeboten.
Im Fachblatt "Neuroscience Letters" melden Pehr Granqvist von der Universität Uppsala und seine Kollegen nun erhebliche Zweifel an den früheren Resultaten an. Bei den Studien seien weder Probanden noch Experimentatoren im Unklaren darüber gewesen, ob tatsächlich eine Magnetstimulation oder nur eine Scheinstimulation durchgeführt wurde. Solche Doppelblind-Versuche schließen eine unbewusste Verhaltensänderung und somit eine Verfälschung der Resultate aus.
Mit 89 Theologie- und Psychologiestudenten führten Granqvist und Kollegen die Versuche nun erneut durch, diesmal jedoch nach den strengeren Kriterien. "Wir fanden keinerlei Beleg für irgendeinen Effekt des Magnetfelds, weder in der Gesamtgruppe noch bei stark für Suggestion empfänglichen Individuen", fassen die Forscher ihre Ergebnisse zusammen. Berichte der Versuchsteilnehmer über ungewöhnliche Empfindungen seien unabhängig vom Magnetfeld gewesen und hätten durch eine ausgeprägte Beeinflussbarkeit und einen gewissen Hang zum "New Age"-Lebensstil erklärt werden können.
Forschung: Pehr Granqvist, Mats Fredrikson und Patrik Unge, Institutionen för psykologi, Uppsala universitet; und andere
Online-Veröffentlichung Neuroscience Letters, DOI 10.1016/j.neulet.2004.10.057
WWW:
Psychologie, Universität Uppsala
Transkranielle Magnetstimulation
International Society for Transcranial Stimulation
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