13.12.2004, 21:12 Uhr
Atmosphärenforschung via Linienjet
Ein Verkehrsflugzeug wird einer europäischen Forschergruppe künftig als Messplattform dienen. Der Lufthansa-Airbus wird mit Instrumentarium zur Erfassung von Spurengasen und Aerosolen ausgestattet und sammelt gewissermaßen nebenbei Daten, die ansonsten nur unter großem Aufwand zu beschaffen wären.
"Durch die Verwendung einer Linienmaschine erhalten wir kontinuierliche Daten - auch aus Gebieten, in denen Forschungsflugzeuge sonst nicht messen - und können damit die weltweite Verteilung von Gasen und Schadstoffen in der Atmosphäre dokumentieren", erläutert Carl Brenninkmeijer vom Mainzer Max-Planck-Institut für Chemie, der Leiter des Projekts CARIBIC ("Civil Aircraft for the Regular Investigation of the Atmosphere Based on an Instrumentated Container"). Zudem bewegten sich Linienflugzeuge in rund zehn Kilometern Höhe an der Tropopause, der für Atmosphärenforscher besonders interessanten Grenze zwischen Troposphäre und Stratosphäre.
Nase im Wind: Der Lufteinlass des CARIBIC-Systems. Foto: Copyright Lufthansa
Der erste CARIBIC-Messflug führt von Frankfurt am Main nach Buenos Aires, wo derzeit die 10. Vertragsstaatenkonferenz der UN-Klimakonvention stattfindet. Allein dieser Interkontinentalflug wird 14 Stunden dauern. Das Messsystem findet sich dabei in einem Container, der im vorderen Frachtraum des Airbus 340-600 untergebracht ist. Noch während des Fluges analysiert es vollautomatisch Luft, die es über ein Lufteinlasssystem am Flugzeugbauch erhält. Zudem werden Luftproben für spätere Untersuchungen am Boden gesammelt.
Laut Mitteilung des MPI für Chemie soll der CARIBIC-Container ein- bis zweimal pro Monat von Frankfurt aus die Reise zu ausgewählten Orten antreten. Aus den Daten erhoffen sich die beteiligten Forscher aus fünf europäischen Ländern tiefere Einblicke in Wolkenbildung und Biomasseverbrennung, den Luftaustausch zwischen Tropo- und Stratosphäre, den Strahlungshaushalt der Atmosphäre und nicht zuletzt einen Prüfstein für Satellitendaten.
Forschung: Carl A.M. Brenninkmeijer, Abteilung Chemie der Atmosphäre, Max-Planck-Institut für Chemie, Mainz; Jost Heintzenberg, Abteilung Physik, Leibniz-Institut für Troposphärenforschung, Leipzig; und andere
WWW:
CARIBIC
United Nations Framework Convention on Climate Change
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