3.2.2005, 14:36 Uhr
Lachen beeinflusst räumliches Sehen

Lachen beeinflusst den Blick auf die Welt - und das nicht nur in Form der sprichwörtlichen rosa Brille. Während die unterschiedlichen Netzhautbilder der Augen normalerweise einen dreidimensionalen Eindruck erzeugen, scheint Lachen der Welt einiges an räumlicher Tiefe zu nehmen. Das berichtet ein australischer Forscher im Fachblatt "Clinical and Experimental Optometry".

John Pettigrew von der University of Queensland stieß rein zufällig auf das Phänomen, als er Versuche zum "binokularen Wettstreit" durchführte. Dabei sahen die Teilnehmer mit einem Auge horizontal, mit dem anderen vertikal verlaufende Linien. Normalerweise springt das Gehirn alle ein bis zwei Sekunden zwischen den Bildern hin und her. Nachdem der Forscher einer Teilnehmerin einen Witz erzählt hatte, nahm diese jedoch ein Gittermuster wahr.

Bei weiteren Tests an 14 Personen konnte Pettigrew diese Vermengung der beiden Netzhautbilder immer wieder auslösen, indem er die Teilnehmer zum Lachen brachte. "Diese gemischte Wahrnehmung ist ein klar abgrenzbares Phänomen und zeigt, dass das gewöhnliche Umschalten des binokularen Wettstreits vorübergehend außer Kraft gesetzt ist", schreibt der Forscher.

Der Trick funktioniert auch bei optischen Täuschungen, die mit dem Umschalten im Gehirn zu tun haben, fand Pettigrew. Dazu zeigte er seinen Versuchsteilnehmern - darunter 350 Kollegen während einer Fachkonferenz - die Gitterzeichnung eines Würfels. Mangels räumlicher Information, springt das Gehirn dabei zwischen zwei Sichtweisen hin und her. Eine gelungene Pointe verwischte diese räumlichen Interpretationen jedoch häufig zu einem zweidimensionalen Linienmuster. Nach Ansicht Pettigrews sprechen die Resultate dafür, dass die Wahrnehmungssprünge "grundlegende Gehirnprozesse widerspiegeln, die mit Motivation, Gefühlen und Stimmung in Verbindung stehen".


Forschung: John D. Pettigrew, Vision Touch & Hearing Centre, School of Biomedical Sciences, University of Queensland, Brisbane

Veröffentlicht in Clinical and Experimental Optometry, Vol. 88(1), pp 39-45

WWW:
UQ Vision Touch & Hearing Centre
Binocular Rivalry
Necker Cube

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