8.2.2005, 15:29 Uhr
Mikroben beschleunigen Wüstenausbreitung
Salzseen haben größeren Einfluss auf die Umwelt als bislang angenommen. In den Seen lebende Mikroben können eine Reihe chlorierter Kohlenwasserstoffe produzieren, die als Treibhausgase wirken und zum Abbau der Ozonschicht beitragen. Entsprechende Resultate präsentiert eine internationale Forschergruppe im Fachblatt "Geophysical Research Letters".
Zumindest zwei dieser leichtflüchtigen Verbindungen, Trichlor- und Tetrachlorethen, "können die Desertifikation in semiariden und ariden Klimazonen beschleunigen", schreiben die Chemiker um Ludwig Weißflog vom Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle. In der Atmosphäre und im Blattgewebe könnten sie in Trichloressigsäure umgewandelt werden. Gerade in trockenen Gebieten schädigt die Verbindung die Vegetation, indem sie den Schließmechanismus der feinen Spaltöffnungen in der Blattoberfläche blockiert. Das Resultat: Die Pflanzen verlieren mehr Wasser und können letztlich austrocknen.
Salzsee in der kalmückischen Steppe Südrusslands. Foto: Ludwig Weißflog/UFZ
Bislang ging man davon aus, dass leichtflüchtige halogenierte Kohlenwasserstoffe (LHKW) fast ausschließlich bei industriellen Prozessen entstehen. Die Bilanzierung der Schadstoffströme im Süden Russlands und LHKW-Abbauprodukte in über 250 Jahre altem Eis aus der Antarktis deuteten allerdings auf zusätzliche natürliche Quellen hin. Weißflog und seine Kollegen konnten nun erstmals nachweisen, dass im Sediment von Salzsseen lebende Halobakterien zur Bildung dieser Verbindungen beitragen.
Die von den widerstandsfähigen Mikroben freigesetzten Schadstoffe verteilen sich in der Atmosphäre und reichern sich in der Vegetation an. Mit der Pflanzendecke verliert der Boden jedoch an Erosionsschutz, sodass sich Salzseen und Trockengebiete schneller ausbreiten können. Schon jetzt wachse die Fläche der Steppengebiete im Süden Russlands pro Jahr um 500 Quadratkilometer, so das Umweltforschungszentrum. Nicht zuletzt durch seine Wechselwirkung mit FHKW und anderen Schadstoffen könne der Klimawandel diesen Prozess möglicherweise weiter beschleunigen.
Forschung: Ludwig Weißflog und Andrea Pfennigsdorff, Department Analytik, UFZ-Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle, Leipzig; und andere
Veröffentlicht in Geophysical Research Letters, Vol. 32, L01401, DOI 10.1029/2004GL020807
WWW:
Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle
Desertifikation
UN Convention to Combat Desertification
Forscher kultivieren quadratische Mikroben
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