7.2.2005, 16:14 Uhr
Sibirische Feuer in Menschennähe
Obwohl die Weiten Sibiriens nur dünn besiedelt sind, scheint der Mensch auch hier einen deutlichen Fingerabdruck zu hinterlassen. Zu diesem Schluss kommt eine amerikanisch-russische Forschergruppe nach der Auswertung von Satellitendaten. In Zentralsibirien treten die meisten Flächenbrände demnach nicht unabhängig vom Menschen, sondern in der Nähe von Siedlungen, Verkehrswegen und landwirtschaftlichen Betrieben auf.
Bislang sei man davon ausgegangen, die häufigen Feuer in Sibirien meist durch Blitzschlag ausgelöst würden, erläutert Katalin Kovacs von der Firma Science Systems and Applications in Seabrook und vom NASA Goddard Space Flight Center in Greenbelt, Maryland. Die neue Analyse lasse vermuten, dass dies nicht der Fall sei. Die Rolle des riesigen Gebietes im globalen Kohlenstoffkreislauf müsse daher eventuell neu überdacht werden.
Kovacs und ihre Kollegen analysierten Daten, die das Moderate Resolution Imaging Spectroradiometer (MODIS) an Bord des Satelliten Terra in den Jahren 2001 bis 2003 gesammelt hatte. Anhand der Infrarotstrahlung die Forscher Wärmeherde am Erdboden ausmachen und mit einiger Sicherheit sagen, ob es sich um Vegetationsfeuer oder technische Hitzequellen wie Gasfackeln oder Schmelzereien handelte. Jedes Jahr standen demnach 0,5 bis 1,4 Prozent des knapp 6 Millionen Quadratkilometer großen Untersuchungsgebiets in Flammen, berichtet die Gruppe im Fachblatt "Earth Interactions". Lediglich 3 Prozent der Feuer traten in über 300 Kilometern Entfernung zur nächsten größeren Straße auf.
Dass der Mensch die Brände bewusst oder unbewusst verursacht habe, sei damit noch nicht belegt, betonen die Forscher. So seien die meisten Feuer im dichter besiedelten, allerdings auch wärmeren und trockeneren Süden des Gebietes aufgetreten. Umgekehrt hätten die zahlreichen Feuer des Jahres 2003 besonders nahe an menschlichen Einrichtungen gebrannt, die wenigen des Jahres 2001 dagegen gleichmäßiger verteilt. "Menschen entzünden kleinere Feuer, um sich beim Aufenthalt im Freien zu wärmen, um zu kochen, Müll zu verbrennen oder Ungeziefer vom Vieh fernzuhalten", erläutert Kovacs. Auch Landwirte bedienten sich des Feuers, um ihre Felder auf die nächste Anbausaison vorzubereiten. Funkenflug könne dabei auch weit entfernte Gebiete in Brand setzen.
Forschung: Katalin Kovacs und K. Jon Ranson, Science Systems and Applications, Seabrook, und NASA Goddard Space Flight Center, Greenbelt, Maryland; und andere
Veröffentlicht in Earth Interactions, 8:18
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