31.1.2005, 13:53 Uhr
Nordsee erfährt ökologische Veränderungen

Globalisierung und Klimaveränderung gehen auch an der Nordsee nicht spurlos vorüber. Seit 1873 auf Helgoland erhobene Daten belegen, dass sich sowohl die Umweltbedingungen in dem Meer als auch seine Lebensgemeinschaften seit einigen Jahrzehnten deutlich ändern. Hauptursachen seien die Einschleppung gebietsfremder Arten und der globale Klimawandel, so die Forscher der Biologischen Anstalt Helgoland.

"Regelmäßige Messungen und Beobachtungen, die Jahrzehnte überspannen, sind das wichtigste Instrument, mit dem historische Veränderungen der ökologischen Bedingungen erfasst werden können", erläutert BAH-Mitarbeiterin Karen Wiltshire. "Nur so können wir den heutigen Zustand unserer Ökosysteme bewerten und Modelle entwickeln, die begründete Aussagen über deren künftige Entwicklung erlauben." Wiltshire und ihre Kollegen stellen ihre Resultate im Fachblatt "Helgoland Marine Research" vor.

Foto: Meerassel (Idotea metallica)

Neu in der Deutschen Bucht: Die Meerassel Idotea metallica. Foto: Heinz-Dieter Franke, AWI

In den letzten 40 Jahren ist die Wassertemperatur demnach um 1,1 Grad Celsius gestiegen, gleichzeitig stieg auch der Salzgehalt leicht an. Meereisbildung bei Helgoland, bis in die 40er-Jahre im Mittel alle zehn Jahre auftretend, wurde in den letzten 60 Jahren nur einmal beobachtet. Da die verschiedenen Nordsee-Bewohner und deren Nahrung bzw. Fressfeinde unterschiedlich auf diese Veränderungen reagieren, verändert sich letztlich das Artenspektrum.

Unter anderem stellten die Helgoländer Forscher fest, dass einige heimische Arten wie Hummer und Kabeljau seltener geworden sind. Die Europäische Auster und verschiedene Algenarten verschwanden sogar gänzlich aus dem Gebiet. Umgekehrt wurden Arten wie der Taschenkrebs häufiger oder traten neu auf. Bei der Mehrzahl der neuen Arten handelt es sich um "südliche" Arten aus der atlantischen Region, die durch den Temperaturanstieg jetzt auch weiter nördlich leben können. Andere Arten wurden wiederum vom Menschen eingeschleppt.


Forschung: Karen Wiltshire und Heinz-Dieter Franke, Biologische Anstalt Helgoland, Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung

Veröffentlicht in Helgoland Marine Research, Vol. 58(4)

WWW:
Alfred-Wegener-Institut
- Biologische Anstalt Helgoland
Neozoa


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