11.1.2005, 14:15 Uhr
Litt Shakespeare an Syphilis?

Der Name Shakespeare lässt vornehmlich an Könige und Elfen denken, weniger jedoch an schnöde Geschlechtskrankheiten. Tatsächlich hatte der Dichter unter der Syphilis zu leiden, ist ein US-Mediziner überzeugt. Erstaunlich präzise und einfühlsame Beschreibungen der Krankheit in Shakespeares Texten sprechen seiner Ansicht nach eine deutliche Sprache.

Syphilis ist in modernen Industrienationen selten, war jedoch vor fünf Jahrhunderten - durch Seeleute, Soldaten und Händler von Land zu Land getragen - weit verbreitet. Zunächst bildet sich ein Geschwür ("harter Schanker") an der Infektionsstelle. Schließlich verbreiten sich die Erreger im Körper und verursachen grau-rötliche Papeln und Pusteln und andere Hautläsionen. Diese Symptome fänden in Shakespeares Werk mehrfach Erwähnung, so John Ross von der Tufts University, Boston.

"Shakespeares Kenntnis der Syphilis ist klinisch exakt", schreibt der Mediziner im Fachblatt "Clinical Infectious Diseases". Allerdings begnüge sich der Dichter nicht mit bloßen Beschreibungen. Wenn er etwa in einem seiner Sonette schreibe "love's fire heats water" (in der deutschen Übersetzung "Liebe wärmt die Flut"), könne dies sehr wohl als einfühlsame Referenz an das Brennen beim Wasserlassen verstanden werden.

Die Therapie der Syphilis erfolgte zu Shakespeares Zeit häufig durch Inhalation von Quecksilberdämpfen. Die zittrige Unterschrift des Dichters auf seinem Testament, sein sozialer Rückzug und seine Kahlköpfigkeit seien mögliche Zeichen einer milden Quecksilbervergiftung, so Ross. Offenbar habe er in Form heißer Bäder aber auch eine alternative Behandlungsmethode kennen gelernt, wiederum erkennbar an den Zeilen eines anderen Sonetts ("[...] wundersam erhitzt / Zu einem Heilquell, der viel Gutes tut"). Möglicherweise hätten diese Fieber verursachenden Bäder den Dichter letztlich vor einem Befall des Zentralnervensystems durch die Syphilis-Erreger bewahrt. Symptome einer solchen tertiären Syphilis seien zumindest nicht überliefert.


Forschung: John J. Ross, Division of Infectious Diseases, Caristas Saint Elizabeth's Medical Center, Tufts University School of Medicine, Boston, Massachusetts

Veröffentlichung in Clinical Infectious Diseases, Februar 2005

WWW:
Sexuell übertragbare Krankheiten
Shakespeare im Projekt Gutenberg
- Sonett CLIII, CLIV
Botanik erklärt Shakespeare

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