14.12.2004, 14:34 Uhr
Dammbrüche auf dem Dach der Welt

Gewaltige Fluten könnten das tiefste Flusstal im Himalaya geformt haben. Belege für dieses Szenario präsentiert eine amerikanisch-chinesische Forschergruppe auf der Tagung der "American Geophysical Union" in San Francisco. Indem starke Monsun-Niederschläge die Gletscher auf dem Dach der Welt wachsen ließen, wurde der tibetische Fluss Tsangpo demnach mehrfach von Eisdämmen aufgestaut und bahnte sich schließlich mit Macht seinen Weg.

Dabei entleerten sich in gut 4.000 Metern Höhe binnen kürzester Zeit mehrere Hundert Meter tiefe Seen, glauben die Forscher um David Montgomery von der University of Washington, Seattle. Die Gruppe führte ihre Untersuchungen in der Nähe des fast 7.800 Meter hohen Namche Barwa im Osten des Himalaya durch. Von Südwest kommend, biegt der Yarlung Tsangpo hier abrupt nach Süden ab, um später als Brahmaputra in den Golf von Bengalen zu münden.

Foto: Hang mit Seespuren, erkennbar als unterschiedlich starker Bewuchs

Foto: David Montgomery

Stromaufwärts eines extrem tief eingeschnittenen Abschnitts, in dem sich der Fluss in ein reißendes Wildwasser verwandelt, fanden die Forscher an den Talhängen Spuren von mindestens vier Seen. Der jüngste dieser Seen war demnach 240 Meter tief, enthielt etwa 81 Kubikkilometer Wasser und leerte sich vor spätestens 1.100 Jahren. Ein älterer See brachte es vor rund 10.000 Jahren sogar auf 680 Meter Tiefe und enthielt 835 Kubikkilometer Wasser.

Montgomery und Kollegen vermuten, dass die Seen aufgestaut wurden, als Gletscher infolge starker Niederschläge anwuchsen und sich in das Flussbett vorschoben. Beim Bruch der Eisdämme müsse die Erosionskraft der entfesselten Wassermassen gewaltig gewesen sein, so der Forscher. "Für uns als Geologen stellt sich damit die Frage nach der Rolle dieser Überschwemmungen", so der Forscher. "Sind sie für die fantastische Topographie verantwortlich oder spielen sie nur eine Nebenrolle?"

Foto Gebirgsszenerie: Tief eingeschnittene Täler

Foto: David Montgomery


Forschung: David R. Montgomery, Quaternary Research Center, University of Washington, Seattle; Liu Yuping, Chengdu Institute of Geology and Mineral Resources, Chengdu; und andere

Präsentation auf dem Fall Meeting 2004 der American Geophysical Union, San
Francisco, Abstract T34B-02

WWW:
Homepage der Arbeitsgruppe, U Washington
Yarlung Tsangpo
See durchbricht Gletscherdamm

[Zurück]


Dies ist eine Archiv-Datei. Wir bitten um Verständnis, dass Links und Inhalte nicht mehr aktualisiert werden. Zum Aufruf des aktuellen Sciencetickers klicken Sie bitte auf eine Rubrik aus der linken Spalte.


Werbung: