16.12.2004, 20:04 Uhr
Viel Weiß, viel Angst

Weit aufgerissene Augen signalisieren eine potenzielle Bedrohung. Das sprichwörtliche Weiße im Auge des Gegenübers spielt dabei eine ganz besondere Rolle, haben amerikanische Psychologen entdeckt. Die tief im Großhirn liegenden Mandelkerne sprechen bereits auf die sichtbare Fläche der weißen Lederhaut an.

Paul Whalen von der University of Wisconsin, Madison, zeigten 20 jungen, männlichen Versuchsteilnehmern Schwarz-Weiß-Fotos mit einem neutralen Gesichtsausdruck. Vor jeder Aufnahme blendeten sie 17 Millisekunden lang eine Grafik ein, auf der lediglich das Weiße aus einem furchterfüllten bzw. einem glücklichen Gesicht zu sehen war.



Bild: Copyright Science

Diese Reize waren zu flüchtig, um von den Probanden bewusst wahrgenommen zu werden. Eine Kartierung ihrer Gehirnaktivität mittels funktioneller Magnetresonanztomographie zeigte jedoch, dass sie in den Mandelkernen sehr wohl einen Effekt hatten. In diesen für die Erkennung von Bedrohungen zuständigen Gehirnbereichen stieg die Aktivität deutlich stärker an, wenn vor dem neutralen Gesicht "viel Weiß" eingeblendet worden war.

Keine unterschiedliche Reaktion zeigte sich dagegen, wenn Whalen und Kollegen die Augenbilder invertiert hatten, das Weiße also schwarz war. Die Forscher schließen daher, dass es nicht auf den Umriss der erkennbaren Lederhaut ankommt, sondern auf die "Menge an Weiß".


Forschung: Paul J. Whalen, Department of Psychology, University of Wisconsin, Madison; und andere

Veröffentlicht in Science, Vol. 306, 17. Dezember 2004, p 2061

WWW:
Whalen Lab
Blinder Patient 'sieht' Gesichtsausdrücke

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