20.12.2004, 14:01 Uhr
Frauen zum Mars!
Frauen sind die besseren Astronauten - zumindest, was Flüge zu anderen Planeten betrifft. Diese Ansicht vertritt ein amerikanischer Mediziner im "Journal of Men's Health & Gender". Der Hormon- und Mineralienhaushalt des weiblichen Körpers mache Frauen weniger anfällig für Kreislauferkrankungen als Männer.
"Bei künftigen Flügen zum Mars sollte die Besatzung vollständig aus Frauen unter 30 Jahren bestehen", schreibt William Rowe aus Charlottesville, Virginia. Der Arzt beschäftigt sich seit langem intensiv mit der unterschiedlichen All-Tauglichkeit von Männern und Frauen. Einen Schwachpunkt der männlichen Physis sieht er vor allem in der höheren Verletzlichkeit des Endothels - der inneren Auskleidung der Blutgefäße, die eine wichtige Rolle unter anderem für die Regulation des Blutdrucks spielt.
Foto: ESA
Bei Schwerelosigkeit steige das Risiko für Schädigungen des Endothels, indem die Produktion des Wachstumsfaktors VEGF sinke, erläutert Rowe. Die Einnahme entsprechender Medikamente sei aufgrund mangelnder Absorption und möglicher Organschäden jedoch nicht empfehlenswert. Klare Vorteile biete hier die weibliche Physiologie: Der höhere Östrogenspiegel, eine bessere Magnesiumaufnahme und -speicherung sowie der Eisenverlust bei der Menstruation schützten das Endothel insbesondere vor oxidativer Schädigung.
Die Regelblutung bringe allerdings auch einen Nachteil mit sich, räumt Rowe ein. Während der Menstruation sollten die Astronautinnen Weltraumspaziergänge lieber vermeiden, "da zu dieser Zeit ein erhöhtes Risiko für eine Dekompressionskrankheit besteht." Handfeste Daten zu diesen und anderen Vermutungen soll eine achtwöchige Bettruhe-Studie liefern, für die die europäische Weltraumbehörde ESA immer noch Teilnehmerinnen sucht. Bewerbungen motivierter Frauen, die endlich mal wieder zum Lesen kommen möchten, sind höchst willkommen.
Forschung: William J. Rowe, Charlottesville, Virginia; Directorate of Human Spaceflight, European Space Agency, Noordwijk
Veröffentlicht in Journal of Men's Health & Gender, Vol. 1(4), DOI 10.1016/j.jmhg.2004.09.006
WWW:
William Rowes "Fems In Space"
Zentrum für Weltraummedizin Berlin
ESA Human Space Flight
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