20.12.2004, 22:04 Uhr
Forscher: Schnee könnte Grönland-Eis erhalten

Der Eispanzer Grönlands schmilzt immer schneller. Zumindest Teile von ihm könnten die weltweite Erwärmung jedoch überstehen, vermutet eine britisch-amerikanische Forschergruppe. Verstärkter Schneefall als Folge der höheren Lufttemperaturen könnten den Eisverlust regional kompensieren.

"Warme Luft trägt mehr Wasser als kalte, eine globale Erwärmung bedeutet also ein feuchteres Klima", erläutert Edward Hanna von der University of Sheffield. Dies könnte letztlich zu stärkeren Schneefällen auf Grönland führen und den Eisschild zumindest in Teilen der Insel vor dem Verschwinden bewahren. Erst im April hatte eine Forschergruppe Resultate von Modellrechnungen präsentiert, denen zufolge der Treibhauseffekt durchaus zu einem vollständigen Abschmelzen des Eises führen könnte.

Foto: Grönland

Bild: NASA Johnson Space Center - Earth Sciences & Image Analysis

Hanna und seine Kollegen von der amerikanischen Weltraumbehörde NASA werteten nun Daten von flugzeuggestützten Laservermessungen aus. Insbesondere an seinen Rändern büßt der Eisschild demnach an Masse ein, berichtet die Gruppe demnächst im Fachblatt "Geophysical Research Letters". Gleichzeitig fällt in manchen Gebieten der Insel mehr Schnee, stellenweise dreimal mehr als üblich.

Die Messungen zeigten, "dass sich Grönlands Beitrag zum Anstieg des Meeresspiegels seit Mitte der 90er-Jahre nahezu verdoppelt hat", so Hanna. "Im Südosten Grönlands hat das Eis in den Jahren 2002 bis 2003 dagegen einen Meter an Dicke zugelegt, im Gegensatz zu dem jährlichen Verlust von 10 bis 40 Zentimeter Mitte der 90er-Jahre." In diesem Gebiet seien drei Meter Schnee gefallen - die stärksten Niederschläge seit Beginn der meteorologischen Aufzeichnungen vor über 45 Jahren.


Forschung: Edward Hanna, Department of Geography, University of Sheffield; und andere

Veröffentlichung in Geophysical Research Letters

WWW:
Geography, U Sheffield
Intergovernmental Panel on Climate Change
Mehr Süßwasser für das Polarmeer
Forscher befürchten grönländische Eisschmelze

[Zurück]


Dies ist eine Archiv-Datei. Wir bitten um Verständnis, dass Links und Inhalte nicht mehr aktualisiert werden. Zum Aufruf des aktuellen Sciencetickers klicken Sie bitte auf eine Rubrik aus der linken Spalte.


Werbung: