25.11.2004, 20:02 Uhr
Zikaden düngen den Boden

In regelmäßigen Abständen erlebt der Osten der Vereinigten Staaten massenhafte Auftreten von Zikaden. Nach dem Ende der blitzartigen Invasionen kommt es zu einem beispiellosen Akt von Recycling, berichtet ein amerikanischer Ökologe im Magazin "Science". Indem die stickstoffreichen Kadaver der Tiere am Boden zersetzt werden, geben sie der Vegetation Nährstoffe zurück, die sie ihr zuvor ausgesaugt haben.

Periodisch auftretende Zikaden (Gattung Magicicada) leben 13 bzw. 17 Jahre im Untergrund, wo sie sich an Pflanzenwurzeln gütlich tun. Auch oberhalb des Erdbodens saugen die Tiere an Pflanzentrieben und legen ihre Eier in Zweigen ab. "Die durch Fraß und Eiablage der Zikaden verursachten Kosten sind wohlbekannt", schreibt Louie Yang von der University of California in Davis, "diese Befunde aber lassen vermuten, dass es auch positive, teils kompensierende Effekte durch den Dünger-Puls gibt."

Foto einer Zikade an einer Ähre

"Warte nur, balde ruhest auch du..." Foto: Courtesy of Louie H. Yang

In "Zikadenjahren" fing Yang Tausende der Tiere, fror sie ein und nutzte sie dann für regelrechte Düngeexperimente. Wurden die Kadaver in Dichten, wie sie auch natürlicherweise vorkommen, auf Versuchsflächen ausgestreut, stiegen Ammonium- und Nitratgehalt des Bodens binnen 30 Tagen auf das Doppelte bzw. Dreifache. Der erste Wert ging rasch wieder auf das Ausgangsmaß zurück, letzterer blieb dagegen langfristig erhöht.

Gleichzeitig nahm die Biomasse von Zersetzern im Boden - Bakterien und Pilzen - um gut ein Achtel zu, ermittelte Yang. Und auch Pflanzen profitieren von der Nährstoffflut: Glockenblumen (Campanulastrum americanum), die auf mit Zikaden "gedüngten" Böden wuchsen, enthielten mehr Stickstoff und produzierten neun Prozent größere Samen. Indem diese üppigen Kräuter ebenfalls zersetzt werden, könnte ihr erhöhter Stickstoffgehalt letztlich wieder Bäumen zugute kommen, vermuten Richard Ostfeld und Felicia Keesing vom Institute of Ecosystem Studies in Millbrook, New York. Da zumindest ein Teil der Nährstoffe also wieder an seinen Ausgangspunkt zurückkehre, könnte man ihrer Meinung nach von einer regelrechten Nährstoff-Fontäne sprechen.


Forschung: Louie H. Yang, Center for Population Biology, Sectio of Evolution and Ecology, University of California, Davis

Veröffentlicht in Science, Vol. 306, 26. November 2004, pp 1565-7

WWW:
Homepage Louie Yang
Periodical Cicada Page
Zikaden und Primzahlen

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