25.11.2004, 15:14 Uhr
Der Stoff, aus dem Planeten sind

Einen tiefen Blick in die Wiegen künftiger Planeten hat eine europäische Astronomengruppe erhascht. Ihre Beobachtungen zeigen, dass sich Silikat-Staubkörnchen in der Nähe dreier junger Sterne bereits zu Kristallen zusammengefunden haben - dem Baumaterial für felsige Planeten und Asteroiden.

"Da sich alle Zutaten am rechten Ort befinden und die Bildung größerer Körnchen aus dem Staub bereits begonnen hat, ist es praktisch unvermeidlich, dass in diesen Scheiben immer größere Felsbrocken und schließlich erdähnliche Planeten entstehen", formuliert Rens Waters von der Universiteit van Amsterdam. Und indem Turbulenzen die Kristalle auch in die Außenregionen der künftigen Planetensysteme trügen, würden sie vermutlich auch im Innern von Kometen konserviert, schreiben der Forscher und seine Kollegen im Magazin "Nature".

Schema einer zirkumstellaren Scheibe samt Innen- und Außenspektren

Schema einer zirkumstellaren Staubscheibe und zwei der jetzt registrierten Spektren. Grafik: ESO

Astronomen gehen davon aus, dass unsere Erde vor knapp 4,5 Milliarden Jahren in einer großen, die Sonne umgebenden Staubscheibe heranwuchs. Um solche zirkumstellaren Scheiben bei anderen Sternen eingehend untersuchen zu können, schalteten die Forscher nun zwei der ESO-Großteleskope in Chile zu einem Interferometer zusammen. Das Instrument erreicht eine Auflösung von lediglich 0,02 Bogensekunden - im Falle der drei beobachteten Sterne entsprechend ein bis zwei Erdbahnradien. Obgleich die Sterne erst wenige Millionen Jahre alt sind, hat sich das Material ihrer Staubscheiben demnach schon deutlich verändert.

Den Infrarotspektren zufolge, scheint in der Innenregion der Scheibe um den Stern HD 142527 nahezu sämtlicher Staub zu gut einen Mikrometer großen Kristallen verbacken zu sein. Bei den übrigen zwei Sternen beträgt der Anteil erst 40 bzw. 55 Prozent, auch findet sich in den Außenbereichen ihrer Scheiben noch unberührter Staub. "Hier sehen wir die allerersten Schritte auf dem langen, stufenreichen Weg von interstellaren Staubteilchen zu den kilometergroßen Brocken, aus denen sich schließlich die Planeten selbst zusammenklumpen", fasst Christoph Leinert vom Heidelberger Max-Planck-Institut für Astronomie zusammen.


Forschung: Roy van Boekel und Michiel Min, Sterrenkundig Instituut "Anton Pannekoek", Universiteit van Amsterdam, und European Southern Observatory, Garching; Christoph Leinert, Max-Planck-Institut für Astronomie, Heidelberg; und andere

Veröffentlicht in Nature, Vol. 432, 25. November 2004, pp 479-82

WWW:
Europäische Südsternwarte
MPI für Astronomie
Interactive Interferometer Demo

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