22.11.2004, 12:19 Uhr
Bienen: Zwei im Sinn

Ein einfacher Geruch kann tief im Gehirn schlummernde Erinnerungen wachrufen. Das gilt nicht nur für Menschen, sondern auch für Bienen, haben australische Biologen ermittelt. Riechen die Tiere den Duft einer Futterquelle, scheinen ihnen das zugehörige Bild und die Flugroute dorthin durch den Kopf zu gehen.

Der Mechanismus könnte Bienenvölkern helfen, eine lohnende Nektarquelle effizient auszubeuten, schreiben Judith Reinhard und ihre Kollegen von der Australian National University, Canberra, im "Journal of Experimental Biology". Wenn Sammlerinnen Nektarproben zurück in den Stock brächten, löse deren Geruch und Geschmack "bei anderen erfahrenen Sammlerinnen möglicherweise Erinnerungen aus, die die Rückkehr zu der entsprechenden Quelle begünstigten."

Bei ihren Versuchen gewöhnten Reinhard und Kollegen Honigbienen (Apis mellifera) an eine künstliche Nektarquelle, die sie mit Rosenduft markiert hatten. Wurde dieser Geruch später in den Stock geblasen, schwärmten die Sammlerinnen prompt in Richtung dieser Nahrungsquelle aus. Das galt allerdings nicht für solche Tiere, die zuvor Nektar ausschließlich an einer mit Zitronenduft versehenen Quelle gesammelt hatten.

Um die Fähigkeiten des Bienenhirns auszuloten, ließen die Forscher ihre Studienobjekte an mehreren parfümierten Nektarquellen sammeln. Honigbienen können demnach gleichzeitig zwei unterschiedlich duftende Futterquellen und den Weg dorthin im Gedächtnis behalten. Mehr noch: Offenbar merken sich die Immen auch die Farbe der jeweiligen Quelle. Damit scheint ihre Speicherkapazität jedoch erschöpft, fanden Reinhard und ihre Kollegen. Mit Geschmack, Geruch und Farbe dreier Futterquellen und zusätzlich noch den jeweiligen Flugrouten waren ihre geflügelten Studienobjekte überfordert.


Forschung: Judith Reinhard, Mandyam V. Srinivasan, David Guez und Shaowu W. Zhang, Visual Sciences, Research School of Biological Sciences, Australian National University, Canberra

Veröffentlicht in Journal of Experimental Biology, Vol. 207, 1. Dezember 2004, pp 4371-81

WWW:
Homepage der Arbeitsgruppe
Biologie der Honigbiene

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