2.12.2004, 12:32 Uhr
Grönlandgletscher beschleunigt
Gletscher können ein sehr viel dynamischeres Verhalten an den Tag legen, als gemeinhin angenommen. Entsprechende Beobachtungsresultate präsentieren drei US-Forscher im Magazin "Nature". Ein großer Grönlandgletscher, der Eismassen aus dem Innern der Insel in den Ozean befördert, hat seine Fließgeschwindigkeit seit Mitte der 80er-Jahre langsam reduziert und dann schlagartig verdoppelt.
"Viele Klimamodelle gehen davon aus, dass Gletscher nur zögerlich auf Klimaveränderungen reagieren", erläutert Ian Joughin vom Jet Propulsion Laboratory im kalifornischen Pasadena. Die neuen Resultate zeigten jedoch eine Verdopplung der Abflussrate jenseits aller Modellvorhersagen, so der Forscher. "Eisschilde können also durchaus rasch und auf dramatische Weise auf Klimaveränderungen reagieren."
Bild: NASA/USGS
Joughin und Kollegen studierten den Gletscher Jakobshavn Isbræ, der an Westküste Grönlands in die Davisstraße mündet und sich aus gut einem Fünfzehntel der Eisschildfläche speist. Indem die Forscher Satellitenaufnahmen sowie von Flugzeugen aus durchgeführte Laser- und Radarmessungen analysierten, fanden sie, dass die Fließgeschwindigkeit im Zeitraum 1985 bis 1992 von 6.700 auf 5.700 Meter pro Jahr sank. Gleichzeitig nahm der Gletscherstrom an Mächtigkeit zu.
Ab dem Jahr 1997 stieg die Geschwindigkeit wieder an und erreichte im Jahr 2000 gut 9.400, im Jahr 2003 sogar 12.600 Meter pro Jahr. Und indem der Eisstrom immer schneller wurde, sank seine Dicke pro Jahr um gut 15 Meter, berichten die Forscher. Gleichzeitig brachen immer größere Teile der auf dem Meer schwimmenden Gletscherzunge ab. Auch andere Gletscher "haben pro Jahr um einen Meter oder mehr an Mächtigkeit eingebüßt", erläutert Waleed Abdalati vom Goddard Space Flight Center in Greenbelt, Maryland. "Unserer Ansicht nach kann dies nicht allein durch Abschmelzen erklärt werden. Vielmehr halten wir es für eine dynamische Reaktion auf die Erwärmung: Die Gletscher beschleunigen."
Forschung: Ian Joughin, Jet Propulsion Laboratory, California Institute of Technology, Pasadena; Waleed Abdalati, Oceans and Ice Branch, NASA Goddard Space Flight Center, Greenbelt, Maryland; Mark Fahnestock, Complex Systems Research Center, University of New Hampshire, Durham
Veröffentlicht in Nature, Vol. 432, 2. Dezember 2004, pp 608-10
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Gletscher und Eisschilde
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