1.3.2005, 17:22 Uhr
Herbstzug hält Monarchen gesund

Alljährlich brechen nordamerikanische Monarchfalter in südliche Gefilde auf. Die mitunter Tausende Kilometer lange Reise stellt die Gesundheit der Schmetterlinge auf eine harte Probe, berichten zwei amerikanische Forscherinnen im Fachblatt "Ecology Letters". Von Parasiten befallene Tiere überstehen die Wanderung seltener als nicht befallene Artgenossen - sodass sich die Parasitenbelastung insgesamt in Grenzen hält.

Viele Vögel, Insekten und andere Tiere legten in Herbst und Frühling extreme Wanderungen zurück, erläutert Sonia Altizer von der Emory University in Atlanta. "Wenn ein Tier mit Parasiten infiziert ist, wäre das so, als wollte man mit Grippe einen Marathon laufen. In diesem Fall müssen parasitierte Tiere ausscheiden - auf Ebene der gesamten Population sinkt damit die Häufigkeit der Erkrankung."

Monarchfalter (Danaus plexippus) werden von dem einzelligen Parasiten Ophryocystis elektroscirrha heimgesucht. Altizer und ihre Studentin Catherine Bradley verglichen nun das Flugvermögen befallener und nicht befallener Falter. Dazu legten sie den Tieren eine Art Geschirr an, über das sie Beschleunigung sowie Flugdauer- und strecke unter kontrollierten Bedingungen messen konnten. Das Resultat: Infizierte Individuen flogen 10 bis 20 Prozent weniger weit als gesunde Artgenossen, gleichzeitig wandten sie pro Flugkilometer mehr Energie auf.

Auf einer Reise von Kanada nach Mexiko mache sich dieses geringere Leistungsvermögen in Form deutlich größerer Ausfallraten bemerkbar, so die Forscherinnen. Ihrer Ansicht nach erklärt dies, warum nicht wandernde Monarchfalter-Populationen, die an ganzjährig günstigen Standorten leben, stärker von dem Parasiten befallen sind als wandernde Populationen. Klimawandel und Lebensraumzerstörung könnten damit zusätzliche, unerwartete Folgen für die großen Wanderfalter haben, so Altizer, "von einer höheren Sterblichkeit, geringeren Körpergrößen und Missbildungen bis hin zu virulenteren Parasitenstämmen."


Forschung: Catherine A. Bradley und Sonia Altizer, Department of Environmental Studies, Emory University, Atlanta, Georgia

Veröffentlicht in Ecology Letters, Vol. 8(3), März 2005, pp 290-300, DOI 10.1111/j.1461-0248.2005.00722.x

WWW:
Altizer Lab
Monarch
Ophryocystis elektroscirrha
Düstere Vorhersagen für Monarchfalter

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