22.2.2005, 17:24 Uhr
Ein zugefrorener See auf dem Mars

In wenigen Wochen soll die Raumsonde Mars Express beginnen, mit einer 40 Meter langen "Wünschelrute" nach Wasser im Marsboden zu suchen. Nun vermeldet eine internationale Forschergruppe die Entdeckung eines erstarrten Sees an der Oberfläche des Planeten. Geschützt durch eine Ascheschicht, scheint das Gewässer Jahrmillionen in der dünnen Marsatmosphäre überdauert zu haben.

Der See ist etwa 800 mal 900 Kilometer groß, 45 Meter tief und liegt bei fünf Grad nördlicher Breite und 150 Grad östlicher Länge in der Elysium-Ebene des Mars. Entdeckt wurde er auf Aufnahmen der Hochauflösenden Stereokamera (HRSC) an Bord von Mars Express. Wie die Forscher um John Murray von der Open University in Milton Keynes demnächst im Fachblatt "Nature" berichten, verrät er sich durch riesige Schollen von Packeis an seiner Oberfläche.

Bild der Schollen

Bild: Copyright ESA/DLR/FU Berlin (G. Neukum)

Erst kürzlich hatte eine Forschergruppe um Gerhard Neukum von der Freien Universität Berlin, den Leiter des HRSC-Projekts, Belege für geologische Aktivität in der jüngsten Vergangenheit des Mars präsentiert. Und auch der See scheint erst kürzlich entstanden zu sein: Gemessen an Zahl und Größe der Einschlagkrater, sind die Eisschollen lediglich fünf Millionen Jahre alt, die Flächen zwischen ihnen sogar etwas jünger. "Bestätigen sich die Ergebnisse, ist der Mars ein nach unseren Maßstäben noch heute geologisch aktiver Planet", erläutert Ernst Hauber vom DLR-Institut für Planetenforschung in Berlin-Adlershof.

Schon früher war vermutet worden, vor wenigen Millionen Jahren hätten sich Lavaströme und Wasserfluten über die Region südlich der Elysium-Vulkanregion ergossen. Lavaströme waren bereits bei früheren Missionen identifiziert worden - und nach Ansicht Murrays und seiner Kollegen ist nun auch der erste Rest der Wassermassen entdeckt. Dass der See tatsächlich aus erstarrter Lava besteht, halten die Forscher für unwahrscheinlich. Die Schollen entsprächen in ihren Dimensionen irdischen Eisschollen, seien gleichzeitig jedoch hundertmal größer als Lavaschollen auf der Erde. Das für Lavaströme typische Gefälle fehle, zudem erhöben sich die Schollen stärker über ihre Umgebung, als durch sich zusammenziehende Lava erklärt werden könne.


Forschung: John Murray, Department of Earth Sciences, Open University, Milton Keynes; Stephanie Werner, Stephan van Gasselt und Gerhard Neukum, Institut für Geologische Wissenschaften, Freie Universität Berlin; und andere

Veröffentlichung in Nature, 17. März 2005

WWW:
Department of Earth Sciences, Open University
Mars Express
Mars Express: Grünes Licht für die Wünschelrute

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