3.3.2005, 20:00 Uhr
Reise ins Hobbit-Hirn

Für Aufregung sorgte im letzten Herbst die Entdeckung einer neuen Menschenart auf der indonesischen Insel Flores. Neue Belege für die Einzigartigkeit der kleinen Flores-Menschen präsentiert eine internationale Forschergruppe nun im Magazin "Science". Die Untersuchung virtueller Schädelausgüsse deute darauf hin, dass die "Hobbits" einen neuen Ast des menschlichen Stammbaums besetzten.

Die Gehirngröße des 18.000 Jahre jungen Homo floresiensis betrage lediglich 419 Milliliter, schreiben Dean Falk von der Florida State University in Tallahassee und ihre Kollegen. Ähnlich klein sei das Hirn der gut drei Millionen Jahre älteren Australopithecus-Dame "Lucy" gewesen. Und dennoch seien bei den Überresten der Flores-Menschen Hinweise auf eine ausgefeilte Technik gefunden worden.

Computergrafik eines Flores-Schädels mit eingepasstem Ausguss

Grafik: Courtesy of Kirk E. Smith, Mallinckrodt Institute of Radiology of Washington University

Direkt nach ihrer Bergung waren die zerbrechlichen Knochen der Flores-Menschen per Computertomographie erfasst worden. Dean und ihre Kollegen nutzten diese Daten zur Modellierung virtueller Schädelausgüsse, anhand derer sie den Gehirnaufbau der kleinen Menschen studieren und mit dem moderner Menschen, verschiedenen Frühmenschen und Affen vergleichen konnten.

"Ich hatte erwartet, das Hirn von Homo floresiensis würde dem eines Schimpansen ähneln - und wurde eines Besseren belehrt", so Falk. Tatsächlich habe die größte Ähnlichkeit mit dem Gehirn von Homo erectus bestanden. Die Dimensionen mehrerer Strukturen, insbesondere im Stirnlappen, seien zudem im Einklang mit der Annahme ausgeprägter geistiger Fähigkeiten - trotz der insgesamt geringen Gehirngröße. Umgekehrt bestehe nur wenig Ähnlichkeit mit dem Schädelausguss eines modernen Menschen mit Mikrozephalie. Einige Forscher hatten vermutet, bei den Flores-Funden handle es sich um die Überreste von Menschen mit dieser Wachstumsstörung.


Forschung: Dean Falk, Department of Anthropology, Florida State University, Tallahassee; Charles Hildebolt und Fred Prior, Mallinckrodt Institute of Radiology, Washington University School of Medicine, St. Louis, Missouri; und andere

Online-Veröffentlichung Science Express, 3. März 2005, DOI 10.1126/science1109727

WWW:
Falk Lab
Hall of Human Ancestors
Neue Menschenart entdeckt

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