24.2.2005, 12:18 Uhr
Was die Eiszeit in Gang setzte
Erst vor 2,7 Millionen Jahren überzog sich die Nordhalbkugel der Erde mit einem Eispanzer, obwohl die Temperaturen schon seit Jahrmillionen sanken. Eine mögliche Erklärung für diese Verzögerung präsentiert eine internationale Forschergruppe im Magazin "Nature". Erst eine spätsommerliche Erwärmung des Nordpazifiks brachte Nordamerika genügend Schnee, der dank kälterer Winter einen massiven Eisschild bilden konnte.
Grund für die stärkeren jahreszeitlichen Temperaturunterschiede scheint eine veränderte Wasserzirkulation im subarktischen Pazifik gewesen zu sein, berichten Gerald Haug vom Geoforschungszentrum Potsdam und seine Kollegen. "Dank dieser Untersuchung verstehen wir besser, warum es zu Klimaveränderungen kommt und ganz besonders, welche Rolle die Ozeane dabei spielen", so Antoni Rosell von der Universitat Autònoma de Barcelona, einer der Forscher. Letztlich profitiere davon auch das Verständnis künftiger Klimaveränderungen.
Für ihre Arbeit nutzten die Forscher Daten über im Meeresboden erhaltene Überreste von Kieselalgen, Foraminiferen und Coccolithophoren. Diese Einzeller treten zu unterschiedlichen Jahreszeiten in Massen auf und "archivieren" die jeweils herrschenden Umweltbedingungen in ihren Kalk- und Kieselsäuregerüsten. Aus diesen Daten und aus Modellrechnungen leiten Haug und Kollegen ab, dass sich vor 2,7 Millionen Jahren ein regelrechter Süßwasserdeckel auf den Nordpazifik legte.
Dieser Deckel blockierte im Sommer und Herbst die Durchmischung von Oberflächen- und Tiefenwasser, sodass sich die Meeresoberfläche um mehr als sieben Grad Celsius erwärmen konnte. Als Folge verdunstete mehr Wasser und die Westwinde brachten Nordamerika stärkere Niederschläge. Erst im Winter destabilisierte sich die Schichtung im Pazifik, die Durchmischung setzte wieder ein und die Temperaturen sanken nun umso stärker. Grund für die veränderte Zirkulation im Pazifik war möglicherweise ein besonders geringer Neigungswinkel der Erdachse und damit eine relativ schwache Sonneneinstrahlung während des Sommerhalbjahrs.
Forschung: Gerald H. Haug und Andrey Ganopolski, Geoforschungszentrum Potsdam und Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung; Antoni Rosell-Mele, ICREA und ICTA, Universitat Autònoma de Barcelona, Bellaterra; und andere
Veröffentlicht in Nature, Vol. 433, 24. Februar 2005, pp 821-5
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Glaciation and Ice Ages
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