4.3.2005, 17:22 Uhr
Hodenverlust bei schnellen Käfern
Überraschend vielen Käfern fehlt ein Hoden, hat eine amerikanisch-spanische Biologengruppe entdeckt. Die Gründe für dieses Phänomen seien derzeit noch rätselhaft, räumen die Forscher ein. Möglicherweise seien die Tiere aus Platzgründen einen Kompromiss zwischen großer Spermienzahl und rascher Eientwicklung eingegangen.
"Wir haben zwei Lungen, zwei Nieren, und Männer und Frauen haben paarige Keimdrüsen. Sogar unser Gehirn hat zwei Hemisphären", so Kipling Will von der University of California in Berkeley. Offenbar habe die Evolution bei Tieren die Spiegelsymmetrie begünstigt. "Wenn diese Regel verletzt wird, muss das also unsere Aufmerksamkeit erregen."
Wenig Platz unter der Motorhaube: Onypterigia tricolor. Foto: Kipling Will, UC Berkeley
Will und seine Kollegen untersuchten rund 820 Arten von Laufkäfern (Carabidae) - schnittig gebauten Räubern, die mitunter durch metallisch-grünen Glanz auffallen. Wie die Forscher im "Journal of Morphology" berichten, weisen die Männchen von 174 Arten nur einen Hoden auf. Zu dieser Entwicklung ist es unabhängig voneinander in drei großen Laufkäfer-Gruppen gekommen. Offenbar stellt der fehlende Hoden also nicht unbedingt ein Manko dar.
"Die Käfer mit nur einem Hoden paaren sich völlig normal und machen auch sonst alles, was ein Käfer halt so tut", formuliert Wills Kollege James Liebherr von der Cornell University in Ithaca. Angesichts des knapp bemessenen Raums im Laufkäfer-Hinterleib sieht er einen möglichen Zusammenhang zwischen dem Verlust des einen Hoden und der ungewöhnlichen Größe der am verbliebenen Hoden ansetzenden Anhangsdrüse. "Möglicherweise liefern die Männchen ihren Partnerinnen mehr als nur Spermien", so Liebherr.
Forschung: Kipling W. Will, Department of Environmental Science, Policy and Management, Division of Insect Biology, University of California, Berkeley; José Galián, Departamento de Biología Animal, Facultad de Veterinaria, Murcia
Online-Veröffentlichung Journal of Morphology, DOI 10.1002/jmor.10319
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Will Lab
Carabidae
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