7.9.2005, 11:41 Uhr
Mehr Grün wärmt die Arktis
Indem die Erwärmung der Arktis Pflanzen sprießen lässt, könnte sie sich letztlich selbst verstärken. Zu diesem Schluss kommen amerikanische Forscher im "Journal of Geophysical Research - Biogeosciences". Die relativ dunklen Sträucher erhöhen die Absorption von Sonnenenergie im arktischen Winter um bis zu 70 Prozent und könnten so auch die Kohlenstoff-Speicher im Boden beeinflussen.
"Wenn sich die Tundra in Buschland umwandelt, wird im Winter mehr Sonnenenergie absorbiert", erläutert Matthew Sturm vom US Army Cold Regions Research and Engineering Laboratory in Fort Wainwright, Alaska. Frühere Studien hätten bereits ergeben, dass höhere Sommertemperaturen die Wachstumsrate von Sträuchern steigern. "Unsere Studie zeigt erstmals, dass die Rate auch durch im Winter ablaufende Prozesse beeinflusst und verstärkt wird."
Sturm und seine Kollegen führten ihre Untersuchungen in mehreren Gebieten im westlichen Alaska durch - darunter Wälder mit dauerhaftem Blätterdach, von Sträuchern bewachsene Flächen und "nackte" Tundra. Sträucher reduzieren die Albedo, die Rückstrahlung von Sonnenlicht ins All, demnach merklich. Dabei macht sich das über die Schneedecke ragende Laub und Geäst auf zweierlei Weise bemerkbar: Durch die zusätzliche Absorption von Sonnenlicht setzt die Schneeschmelze auf Flächen mit Sträuchern einige Wochen früher ein als auf solchen mit geschlossener Schneedecke. Umgekehrt läuft die Schneeschmelze aufgrund des Schattenwurfs langsamer ab, sodass sie letztlich in allen Gebieten etwa zur gleichen Zeit abgeschlossen ist.
Die steigenden Temperaturen könnten das Strauchwachstum auf einer Fläche von über vier Millionen Quadratkilometern fördern, schätzen Sturm und Kollegen mit Verweis auf entsprechende Satellitenbeobachtungen. Und da in arktischen Böden etwa 40 Prozent des weltweiten Boden-Kohlenstoffs gespeichert seien, könnte dies neben dem Energiehaushalt auch das Kohlenstoff-Budget der Arktis und damit das globale Klima beeinflussen.
Forschung: Matthew Sturm und Tom Douglas, US Army Cold Regions Research and Engineering Laboratory, Fort Wainwright, Alaska; und andere
Veröffentlicht in Journal of Geophysical Research - Biogeosciences, Vol. 110, G01004, DOI 10.1029/2005JG000013
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Satellite-Observed Changes in the Arctic
The Tundra Biome
Tundra Plants
Arktische Seen verschwinden
Arktis: Eisbedeckung erneut unter Durchschnitt
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