6.9.2005, 18:56 Uhr
Ansichten zu Drogen werden früh beeinflusst

Viele Dreijährige halten es für völlig normal, zu rauchen oder Alkohol zu trinken. Das zeigt eine Beobachtungsstudie, die amerikanische Medizinerinnen im Fachblatt "Archives of Pediatrics & Adolescent Medicine" vorstellen. Dem bei ihren Eltern oder in Filmen beobachteten Vorbild folgend, planen die Kinder für einen geselligen Abend Zigaretten, Bier oder Wein ein.

"Unsere Daten lassen vermuten, dass die Beobachtung des Verhaltens von Erwachsenen und besonders der Eltern Kinder im Vorschulalter derart beeinflusst, dass sie Rauchen und Trinken als angemessen bzw. maßgeblich in sozialen Situationen ansehen", schreiben die Forscherinnen um Madeline Dalton vom Dartmouth College in Lebanon, New Hampshire. Vorbeugungsprogramme zielten jedoch meist auf Heranwachsende ab.

Dalton und Kolleginnen wollten mehr über die Ansichten von 120 zwei- bis sechsjährigen Kindern zu Tabak und Alkohol herausfinden. Um sprachliche Barrieren zu umgehen, entwickelten sie ein Rollenspiel mit Puppen: Eine davon wurde von dem Kind gespielt, die andere von einer Forscherin. In einem mit 73 Produkten bestückten Kaufladen sollten die Kinder dann jene Waren kaufen, die sie für einen gemütlichen Fernsehabend mit ihrer Freundin benötigten. Unter den durchschnittlich 17 ausgewählten Produkten waren in 34 Fällen auch Zigaretten, in 74 Fällen auch Bier oder Wein.

Wenn die Eltern der Kinder rauchten oder mindestens einmal im Monat Alkohol tranken, kauften ihre Kinder fast viermal bzw. dreimal häufiger die entsprechenden Produkte. Durften die Kinder für Jugendliche oder Erwachsene freigegebene Filme sehen, sahen sie Alkohol fünfmal häufiger als angemessene Zutat zu einem geselligen Abend an. Einige Kinder wussten sogar erstaunlich gut über bestimmte Marken Bescheid, beobachteten Dalton und Kolleginnen. Zwar sei nicht klar, ob dies einen Konsum in späteren Jahren nach sich ziehe. Der Boden dafür werde in jedem Fall sehr früh bereitet.


Forschung: Madeline A. Dalton, Amy M. Bernhardt und Jennifer J. Gibson, Department of Pediatrics und Department of Community and Family Medicine, Dartmouth Medical School, Lebanon, New Hampshire; und andere

Veröffentlicht in Archives of Pediatrics & Adolescent Medicine, Vol. 159(9), pp 854-9

WWW:
Dartmouth Medical School
Deutsche Hauptstelle für Suchtgefahren
Rauchen liegt (auch) in den Genen

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