16.9.2005, 15:29 Uhr
Harte Schläge aus dem Asteroidengürtel

Vor rund 3,9 Milliarden Jahren prasselten in rascher Folge Gesteinsbrocken auf die junge Erde und ihre Nachbarn im Sonnensystem herab. Die Quelle dieses Bombardements glauben amerikanische und japanische Astronomen gefunden zu haben. Die Größenverteilung der Krater aus jener Zeit entspricht demnach exakt der im Asteroidengürtel, berichten die Forscher im Magazin "Science".

Ebenso plötzlich, wie er begonnen hatte, hörte der Spuk auch wieder auf, glauben die Forscher um Robert Strom von der University of Arizona in Tucson. Die Ursache vermuten sie im Gasriesen Jupiter, der sich näher an die Sonne heranschob und mit seiner Schwerkraft vorübergehend Unruhe in den Asteroidengürtel brachte. Einschläge jüngeren Datums scheinen dagegen auf erdnahe Asteroiden zurückzugehen - insgesamt kleineren Brocken, die das Sonnenlicht aus dem Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter getrieben hat.

Mit unterschiedlich großen Kratern übersätes Terrain auf Merkur

Teil der Merkur-Oberfläche, gesehen von der Sonde Mariner 10. Bild: NASA/JPL/Northwestern University

Strom und seine Kollegen analysierten Einschlagkrater auf Merkur, Mond und Mars. Stets fanden sie, dass die Krater in älterem Terrain eine andere Größenverteilung aufweisen als die in jüngerem Terrain. Als die Forscher die Kaliber der entsprechenden Einschlagkörper berechneten, erlebten sie eine Überraschung: "Die Größen der alten und der jüngeren Projektile ähneln bis in kleinste denen älterer und jüngerer Asteroidenpopulationen", so Strom. "Die Übereinstimmung war erstaunlich!" Kometen scheinen dagegen kaum eine Rolle gespielt zu haben.

Für das "Late Heavy Bombardement" sei offenbar ein Schwerkraft-Mechanismus verantwortlich gewesen, der Felsbrocken unabhängig von ihrer Größe aus dem Asteroidengürtel geworfen habe, erläutert Stroms Kollege Renu Malhotra. Ein nahe liegender Verdächtiger sei der Riesenplanet Jupiter, der im jungen Sonnensystem Myriaden kleinerer Gesteinsbrocken von der Sonne weg katapultiert und sich selbst auf diese Weise näher an die Sonne herangeschoben habe.

Dass seitdem eher kleinere Objekte den Weg ins innere Sonnensystem finden, könne vielleicht durch den Yarkovsky-Effekt erklärt werden, schreiben die Forscher. Dabei strahlt die wärmere Nachmittagsseite eines Asteroiden mehr Wärme ab als die Vormittagsseite. Über Jahrmillionen werden die Felsbrocken so in Richtung ihrer Vormittagsseite beschleunigt - ein Effekt, der kleinere Asteroiden stärker beeinflusst als größere.


Forschung: Robert G. Strom, Renu Malhotra und David A. Kring, Lunar and Planetary Laboratory, University of Arizona, Tucson; Takashi Ito und Fumi Yoshida, National Astronomical Observatory, Tokyo

Veröffentlicht in Science, Vol. 309, 16. September 2005, pp 1847-50

WWW:
Lunar and Planetary Lab, University of Arizona
National Astronomical Observatory of Japan
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