9.9.2005, 11:43 Uhr
Stressiger Alltag, niedrigeres Brustkrebsrisiko
Täglich unter starkem Stress stehende Frauen erkranken seltener an Brustkrebs, haben dänische Mediziner ermittelt. Möglicherweise beeinflusse die psychische Belastung die Ausschüttung von Östrogen und vermindere so das Erkrankungsrisiko, schreiben die Forscher im "British Medical Journal".
"Durch Stress bedingte Störungen der Körperfunktion sollten jedoch keinesfalls als gesund angesehen werden", mahnen die Forscher um Naja Rod Nielsen und Morten Grønbæk vom National Institute of Public Health in Kopenhagen. So begünstige Stress eine ganze Reihe anderer Erkrankungen, insbesondere von Herz und Kreislauf.
Die Mediziner analysierten Daten der in den 70er-Jahren begonnenen Kopenhagener Herzstudie. In den Jahren 1981-83 hatten die über 6.500 Teilnehmerinnen Auskunft über ihren alltäglichen Stress gegeben - definiert als Anspannung, Nervosität, Ungeduld, Angst oder Schlaflosigkeit. Bis zum Jahr 1999 war bei 251 von ihnen erstmals Brustkrebs diagnostiziert worden. Teilnehmerinnen mit starkem Stress waren davon 40 Prozent seltener betroffen als jene, die ihren Alltag als wenig belastend wahrnahmen. Mit jedem zusätzlichen Punkt auf einer 6-Punkte-Stressskala sank das Erkrankungsrisiko um 8 Prozent.
Sowohl die "Stressachse" als auch die Regulation der Geschlechtshormone beginnt im Hypothalamus und läuft dann über die Hirnanhangsdrüse zur Nebennierenrinde bzw. zu den Keimdrüsen. Untersuchungen an Tieren hätten gezeigt, dass die Aktivierung der Stressachse die Ausschüttung von Östrogenen reduzieren könne, schreiben die Forscher. Und da diese Hormone das Brustkrebsrisiko beeinflussten, könne ein solcher Mechanismus vielleicht die neuen Resultate erklären. Diese Annahme müsse allerdings durch weitere Studien bekräftigt werden, betonen die Mediziner. Dabei komme es auch auf eine strikte Definition von "Stress" an.
Forschung: Naja Rod Nielsen und Morten Grønbæk, National Institute of Public Health, Kopenhagen; und andere
Veröffentlicht in British Medical Journal, Vol. 331, 10. September 2005, pp 548-50
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