12.9.2005, 15:02 Uhr
Sternkollaps am Rande des Universums
Einen Strahlungsausbruch in einer Entfernung von 12,7 Milliarden Lichtjahren haben italienische Astronomen beobachtet. Das Leuchten geht auf eine Supernova-Explosion zurück, die sich in der frühesten Kindheit des Universums ereignete - lediglich 900 Millionen Jahre nach dem Urknall und damit früher als alle bekannten Pendants.
Guido Chincarini vom Osservatorio Astronomico di Brera und seine Kollegen nutzten die Großteleskope der Europäischen Südsternwarte in Chile, um das Nachleuchten eines Ausbruchs von Gammastrahlung zu beobachten. "Dieser Gamma-Ray Burst gehört zu den leuchtstärksten, die jemals beobachtet worden sind", erläutert der Forscher. "Angesichts seiner Leuchtkraft muss er binnen weniger Minuten 300 Mal mehr Energie freigesetzt haben als die Sonne während ihrer gesamten Lebensdauer von zehn Milliarden Jahren."
Flüchtige Erscheinung: Das Nachglimmen des Ausbruchs, ein (links) bzw. vier Tage nach seiner Entdeckung durch Swift. Bilder: ESO
Den Gammastrahlungsausbruch hatte der amerikanisch-italienisch-britische Satellit Swift am frühen Morgen des 5. September entdeckt. Wenig später richteten Astronomen in aller Welt ihre Teleskope auf die von dem Satelliten gemeldete Position, um das Nachglimmen des Ausbruchs im sichtbaren und infraroten Licht zu erfassen. Etwa 24 Stunden später wurden Chincarini und seine Kollegen fündig: Ihren Beobachtungen zufolge, ereignete sich der Ausbruch mit der Katalognummer GRB050904 in einer Entfernung von über 12,5 Milliarden Lichtjahren.
Astronomen gehen davon aus, dass Gamma-Ray Bursts auftreten, wenn ein sehr massereicher Stern seinen Brennstoff aufgezehrt hat und zu einem Schwarzen Loch kollabiert. Der jüngste Rekordhalter könnte als extrem starke "Nebelkerze" neue Daten über die Bedingungen in der Frühzeit des Universums liefern, so die Forscher. Schon allein die Tatsache, dass es damals bereits derart massereiche Sterne gegeben habe, lasse Rückschlüsse auf die Entwicklung des Kosmos bis zu jenem frühen Zeitpunkt zu.
Forschung: Guido Chincarini, Osservatorio Astronomico di Brera; Angelo Antonelli, Osservatorio Astronomico di Roma; und andere
WWW:
Osservatorio Astronomico di Brera
Gamma-Ray Burst FAQ
Swift
European Southern Observatory
| [Zurück] | |

