17.8.2005, 11:26 Uhr
Ein Balken im Milchstraßenzentrum
Die Milchstraße ist komplizierter gebaut als gemeinhin angenommen. Das berichten amerikanische Astronomen demnächst in den "Astrophysical Journal Letters". Durch die Zentralregion unserer Spiralgalaxie zieht sich demnach ein gut 27.000 Lichtjahre langer Balken aus alten Sternen.
Die Milchstraße wird meist als flache Scheibe beschrieben, in der die Spiralarme liegen. In der Mitte der Scheibe findet sich eine große Ausbuchtung, sodass die Galaxis von der Seite betrachtet an eine fliegende Untertasse erinnern dürfte. Begleitet wird sie von einem regelrechten Schwarm von Kugelsternhaufen.
Illustration: NASA/JPL-Caltech/R. Hurt (SSC/Caltech)
Erst kürzlich hatten amerikanische und australische Astronomen entdeckt, dass die Galaxis möglicherweise sehr viel größer ist als die üblicherweise genannten 100.000 Lichtjahre. Edward Churchwell von der University of Wisconsin in Madison und seine Kollegen glauben nun, dass auch die Vorstellungen vom Inneren unserer Galaxie überdacht werden müssen. "Dies sind die bislang besten Belege für einen langen Balken im Zentrum unserer Galaxie", so der Forscher.
Mit Hilfe des Infrarot-Weltraumteleskops Spitzer kartierten Churchwell und Kollegen etwa 30 Millionen Sterne in der Milchstraßenscheibe - darunter auch 10 Millionen Sterne aus der Zentralregion, die im sichtbaren Licht durch dichte interstellare Staubwolken verschleiert wird. Aus diesen Daten rekonstruierten sie dann das bislang genaueste Portrait dieser Region. Ähnlich anderen Galaxien, besitzt demnach auch die Milchstraße einen zentralen Balken. Dieser verläuft unter einem Winkel von etwa 45 Grad zur Linie Sonne-Milchstraßenzentrum.
Forschung: Robert A. Benjamin, Department of Physics, University of Wisconsin, Whitewater, und Edward B. Churchwell, Department of Astronomy, University of Wisconsin, Madison; und andere
Veröffentlichung in Astrophysical Journal Letters
WWW:
GLIMPSE
The Structure of the Milky Way
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