17.8.2005, 12:44 Uhr
Genetik belegt Umtriebigkeit von Walen
Buckelwale weichen mitunter von ihren althergebrachten Wanderrouten ab. Genetische Belege für derartige Freigeister präsentiert ein amerikanisches Forscherduo im Fachblatt "Biology Letters". Im Atlantik von einem Wal genommene Gewebeproben zeigten, dass sich dieser zuvor im Indischen Ozean aufgehalten hatte.
"Zwar wurde schon immer vermutet, Wale könnten von einem Ozean in den anderen ziehen", erläutert Cristina Pomilla von der Wildlife Conservation Society und vom American Museum of Natural History in New York. "Dies in freier Wildbahn zu verfolgen, ist jedoch eine echte Herausforderung." Die neue Studie belege, dass molekularbiologische Techniken bei derartigen Studien eine große Hilfe sein könnten.
Buckelwale können auch anhand ihrer Fluke identifiziert werden. Foto: Captain Budd Christman, NOAA Corps; Courtesy National Oceanic & Atmospheric Administration
Pomilla und ihr Kollege Howard Rosenbaum studierten Hautproben, die einem männlichen Buckelwal (Megaptera novaeangliae) im Jahr 2000 vor Madagaskar entnommen worden waren. Anhand darin enthaltener Mikrosatelliten, von Individuum zu Individuum stark unterschiedlichen Erbgutabschnitten, erstellten sie einen genetischen Fingerabdruck des Tieres. Der gleiche Fingerabdruck fand sich bei einem Bullen, der zwei Jahre später vor Gabun beobachtet worden war, auf der anderen Seite Afrikas.
Buckelwale verbringen den Sommer in höheren Breiten und fressen sich dort eine dicke Speckschicht an. Im Winter ziehen sie in wärmere Gewässer, um ihre Kälber zur Welt zu bringen. Bislang sei man davon ausgegangen, dass die Tiere ihren Winterrevieren treu seien, so Pomilla. "Unsere Befunde helfen uns zu verstehen, wie die einzelnen Populationen miteinander verbunden sind, sowohl genetisch als auch kulturell, in Form der Walgesänge, für die diese Art so berühmt ist." Dieses Wissen könne wiederum zur Planung von Schutzmaßnahmen beitragen.
Forschung: Cristina Pomilla und Howard C. Rosenbaum, Department of Biology, New York University, Cetacean Conservation and Research Program, Wildlife Conservation Society, Bronx, und Molecular Systematics Laboratory und Center for Biodiversity and Conservation, American Museum of Natural History, New York
Online-Veröffentlichung Biology Letters, DOI 10.1098/rsbl.2005.0351
WWW:
Wildlife Conservation Society
American Museum of Natural History
- Molecular Systematics Laboratory
Buckelwal
Kein Schlaf für Walmütter
Bootslärm stört Walkommunikation
| [Zurück] | |

