18.8.2005, 13:52 Uhr
Kühner Plan: Rückkehr der Riesen
Schon in wenigen Jahrzehnten könnten Kamele und Löwen durch Teile Nordamerikas streifen. Einen entsprechenden Vorschlag unterbreiten amerikanische Forscher im Magazin "Nature". Pflanzen- und Fleischfresser aus Afrika und Asien sollen die vor Jahrtausenden ausgestorbene Megafauna des Kontinents und damit die ökologische "Ordnung" wiederherstellen.
Gleichzeitig würde so das Überleben von Arten gesichert, die in ihren heutigen Verbreitungsgebieten durch Konflikte um knappe Ressourcen vom Aussterben bedroht seien, schreiben Josh Donlan von der Cornell University in Ithaca, New York, und seine Kollegen. Der Plan sei "aus ökologischen, evolutionären, ökonomischen, ästhetischen und ethischen Gründen gerechtfertigt".
Am Ende des Pleistozäns, vor gut 13.000 Jahren, verschwanden große Wirbeltiere wie Amerikanische Löwen, Geparde und Kamele aus Nordamerika. Ein ähnliches Schicksal erlitten vor etwa 40.000 Jahren bzw. einigen Jahrhunderten die Megafaunen Australiens und Madagaskars. In Ermangelung großer Pflanzenfresser breiteten sich in Nordamerika unerwünschte Arten aus und veränderten die einstigen Savannen, schreiben die Forscher. Die Ansiedlung von Wildpferden, Kamelen, Geparden, Elefanten und schließlich auch Löwen könne dieser Entwicklung Einhalt gebieten.
Bereits heute lebten allein in Texas gut 77.000 afrikanische und amerikanische Paarhufer, Geparden, Kamele und Kängurus auf Privatland. Gleichzeitig werde versucht, die nur noch in Nordmexiko vorkommende Gopherschildkröte (Gopherus flavomarginatus) wieder im Südwesten der USA anzusiedeln, so Donlan und Kollegen. Und letztlich könnte von der Einrichtung von "Pleistozän-Parks" auch der Tourismus profitieren.
"Wenn wir nur zehn Minuten haben, um unsere Idee vorzustellen, halten die Leute uns für verrückt", erklärt Donlans Institutskollege Harry Greene. "Hören sie dagegen die einstündige Version, stellen sie fest, dass sie sehr viel weniger darüber nachgedacht haben als wir." Kritiker müssten sich fragen, ob sie sich "mit einer amerikanischen Wildnis, die leerer ist als vor 100 Jahrhunderten" und mit dem möglichen Aussterben der verbliebenen Megafaunen Afrikas und Asiens zufrieden geben.
Forschung: Josh Donlan und Harry W. Greene, Department of Ecology and Evolutionary Biology, Cornell University, Ithaca, New York; Paul S. Martin, Department of Geosciences, University of Arizona, Tucson; Joel Berger, Teton Field Office, Wildlife Conservation Society; und andere
Veröffentlicht in Nature, Vol. 436, 18. August 2005, pp 913-4
WWW:
Homepage Josh Donlan
Pleistocene Park: Return of the Mammoth's Ecosystem
Troubled Homecoming
Gopherus flavomarginatus
Massensterben durch prähistorische Brandstifter?
Riesen-Sterben durch Klimaveränderung
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