18.8.2005, 10:40 Uhr
Schuhwerk erst seit 26.000 Jahren in Mode

Vor etwa 26.000 Jahren wurde es in Eurasien üblich, schützendes und stützendes Schuhwerk zu tragen. Darauf deutet eine anatomische Untersuchung menschlicher Überreste hin, die ein amerikanischer Anthropologe durchgeführt hat. Fußknochen aus der mittleren Altsteinzeit sind deutlich robuster gebaut als solche aus der jüngeren Altsteinzeit, berichtet der Forscher im "Journal of Archaeological Science".

Foto: Fußskelett aus der jüngeren AltsteinzeitErst kürzlich hatten Leipziger Anthropologen aus dem genetischen Vergleich von Kleider- und Kopflaus geschlossen, dass sich der Mensch seit etwa 70.000 Jahren in Kleidung hüllt. Merklich länger scheint es gedauert zu haben, bis auch die Füße die ihnen gebührende Aufmerksamkeit erhielten, glaubt nun Erik Trinkaus von der Washington University in St. Louis, Missouri.

Der Forscher studierte Skelette altsteinzeitlicher Menschen. Dabei fand er, dass insbesondere die zu den kleinen Zehen gehörenden Knochen eine Veränderung erfuhren. Beginnend vor 30.000 bis 26.000 Jahren, waren sie weniger kräftig ausgebildet als ältere Pendants. Bei den Beinknochen zeigte sich dagegen kein solcher Trend. "Die logische Schlussfolgerung ist die Einführung von schützendem Schuhwerk", erklärt Trinkaus.

Vermutliche Ursache sei das unterschiedliche Abrollverhalten der Zehen, so der Forscher weiter. Beim barfüßigen Gehen müssten sich die kleinen Zehen relativ weit durchbiegen, um ausreichend Bodenhaftung zu gewährleisten. Gut beschuht, würden sie weniger stark beansprucht.

Bild: Fußskelett aus der jüngeren Altsteinzeit. Foto: Erik Trinkaus / Czech Academy of Sciences


Forschung: Erik Trinkaus, Department of Anthropology, Washington University, St. Louis, Missouri

Veröffentlicht in Journal of Archaeological Science, Vol. 32(10), Oktober 2005, pp 1515-26, DOI 10.1016/j.jas.2005.04.006

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