6.7.2005, 19:07 Uhr
Didgeridoo: Das sprechende Rohr

Obgleich kaum mehr als ein langes Rohr, kann das Didgeridoo der australischen Ureinwohner erstaunliche Töne hervorbringen. Australische Physiker haben nun herausgefunden, dass das Spielen des Instruments erstaunliche Ähnlichkeit mit Sprechen hat. Ihre Resultate präsentieren sie im Magazin "Nature".

Traditionell wird das Didgeridoo oder Didjeridu aus einem von Termiten ausgehöhlten Ast oder Stamm hergestellt. An die Lippen gepresst, wird die Luftsäule in dem Instrument mit einer speziellen Atemtechnik zum Schwingen gebracht. Erfahrene Spieler können über die Zungenstellung nicht nur das Timbre des resultierenden tiefen Tons verändern, sondern ihm auch rhythmisches Schnalzen, Klicken und sogar eine Art Singsang hinzufügen.

Tatsächlich hat die Technik erfahrener Spieler viel mit Sprache zu tun, fanden die Forscher um Joe Wolfe von der University of New South Wales in Sydney nun heraus. Durch einen feinen Schlauch fluteten die Physiker die Mundhöhle eines Didgeridoo-Spielers mit Breitband-Schall und analysierten, in welchem Maße die unterschiedlichen Frequenzen im Vokaltrakt geschluckt wurden. Besonders hoch ist der "akustische Widerstand" demnach bei Frequenzen um 1,5 und 2,0 Kilohertz - und eben diese Bereiche waren im Klangspektrum des Didgeridoo besonders schwach vertreten.

Offenbar beeinflussen erfahrene Spieler den Klang des Instruments auch, indem sie die Resonanzen ihres Vokaltrakts verändern, folgern schreiben Wolfe und Kollegen. "Dieser akustische Effekt ähnelt dem bei der Produktion von Vokalen in der menschlichen Sprache und beim Singen." Dazu sei es nötig, die Stimmritze etwas zu schließen, um die Schallreflexion im Kehlkopf zu verbessern und zu verhindern, dass sich höherfrequente Töne regelrecht im Lungengewebe verlaufen. Scheinbar setzten erfahrene Didgeridoo-Spieler diesen Trick zumindest unterbewusst ein.


Forschung: Alex Tarnopolsky, Neville Fletcher, Benjamin Lange, John Smith und JoeWolfe, School of Physics, University of New South Wales, Sydney, und Research School of Physical Sciences, Australian National University, Canberra; Lloyd Hollenberg, School of Physics, University of Melbourne, Parkville, Victoria

Veröffentlicht in Nature, Vol. 436, 7. Juli 2005, p 39

WWW:
Music Acoustics Group, UNSW
Didgeridoo

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