8.7.2005, 13:56 Uhr
Federn demonstrieren Adler-Treue

Kaiseradler sind nicht nur imposant, sie scheinen auch die treuesten Vögel überhaupt zu sein. Entsprechende Resultate präsentieren amerikanische und kasachische Biologen im Fachblatt "Molecular Ecology". Laut ihren DNA-Analysen an verlorenen Federn scheinen sich die Tiere auf keinerlei Seitensprünge einzulassen.

Für die meisten Vögel sei es dagegen völlig normal, sich selbst dann mit anderen Geschlechtspartnern einzulassen, wenn sie lebenslang mit nur einem Partner brüteten, so Andrew DeWoody von der Purdue University in West Lafayette, Indiana. Der Biologe und seine Kollegen führten ihre Untersuchung im Naturschutzgebiet Naurzum im Norden Kasachstans durch.

Foto: Forscher sammelt Federn an einem Adlerhorst samt Jungtier

Todd Katzner sammelt Federn aus einem Kaiseradlerhorst, sehr zur Empörung eines Jungtieres. Foto: Courtesy of Todd Katzner

Über einen Zeitraum von sechs Jahren hatten die Forscher Federn von Kaiseradlern (Aquila heliaca) gesammelt und anhand der darin enthaltenen DNA genetische Fingerabdrücke erstellt. Diese Daten erlaubten Rückschlüsse auf die Verwandtschaftsverhältnisse der Tiere, ihr Paarungssystem und auf ihre Geburten- und Sterberaten. Die kasachischen Kaiseradler sind demnach nicht nur sozial monogam, sondern auch genetisch. Und zumindest in dem Schutzgebiet scheint ihre relativ hohe Sterberate durch die Geburtenrate ausgeglichen zu werden.

Ähnliche Studien seien bereits mit Haaren oder Kot anderer Tierarten durchgeführt worden, erläutert DeWoody. Die neue Arbeit belege nun erstmals, dass auch Federn für solche Untersuchungen geeignet seien. Daher könne man die Populationsentwicklung der schwierig zu fangenden Kaiseradler und anderer Vogelarten künftig auch verfolgen, ohne den Tieren zu Leibe rücken zu müssen.

"Man kann einen Bestand nicht schützen, wenn man nicht weiß, wie groß er ist und ob er wächst oder schrumpft", so DeWoodys Kollege Todd Katzner vom National Aviary in Pittsburgh. Für Naturschützer wie Vögel sei die Federtechnik daher gleichermaßen vorteilhaft.


Forschung: Jamie A. Rudnick und J. Andrew DeWoody, Department of Forestry and Natural Resources, Purdue University, West Lafayette, Indiana; Todd E. Katzner, Conservation and Field Research Program, National Aviary, Pittsburgh, Philadelphia; und andere

Online-Veröffentlichung Molecular Ecology, DOI 10.1111/j.1365-294X.2005.02641.x

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