1.7.2005, 16:39 Uhr
Weltmeere drohen zu versauern

Wenn der weltweite Ausstoß von Kohlendioxid weiter steigt, könnte dies die Existenz zahlreicher Tier- und Pflanzenarten in den Weltmeeren bedrohen. Davor warnt eine Untersuchung der britischen "Royal Society".

Eine internationale Forschergruppe unter Leitung von John Raven von der University of Dundee errechnete, dass bis zum Jahr 2100 der pH-Wert der Ozeane um eine halbe Einheit zurückgehen könnte. Dem Versauern der Meere würden zuerst empfindliche Korallen und Muscheln zum Opfer fallen.

Zur Zeit beträgt der pH-Wert der Meere durchschnittlich 8,2, wobei lokale Schwankungen um 0,3 Einheiten nach oben und unten normal sind. Vor 200 Jahren war der Durchschnittswert noch um 0,1 Einheiten höher und das Meereswasser somit etwas alkalischer. Seit diesem Zeitpunkt wurde etwa ein Drittel des vom Menschen produzierten Kohlendioxids in den Weltmeeren gebunden, schätzen die Forscher.

Mikroorganismen atmen Kohlendioxid ein und verarbeiten es bei der Photosynthese, zahlreiche Meereslebewesen bauen aus CO2 ihre Skelette und Schalen. Wird jedoch zu viel Kohlendioxid in die Meere getragen, könnte das Ökosystem überfordert werden. Weil saures Wasser Kalk angreift, wären Korallen und Schalentiere als erste betroffen. Ihr Rückgang würde nach Einschätzung der Forscher jene Tierarten treffen, die in Symbiose mit Korallen leben oder sich von Schalentieren ernähren. Das Versauern könnte zudem negative Auswirkungen auf Phytoplankton und Zooplankton haben, die eine zentrale Rolle in den Nahrungsketten der Weltmeere spielen.

Was das Versauern der Meere für die Ökosysteme und das Weltklima bedeutet, lässt sich noch nicht im Detail vorhergesagt, betont Ken Caldeira, Co-Autor der Studie und Forscher am US-amerikanischen Lawrence Livermore National Laboratory. Es gebe aber genug Hinweise, die zeigten, dass eine Reduzierung des CO2-Ausstoßes für den Meeres- und Klimaschutz unerlässlich sei.

Forschung: John Raven, School of Life Sciences, University of Dundee; Ken Caldeira, Energy and Environment Directorate, Lawrence Livermore National Laboratory; u.a., The Royal Society, 30.6.2005

Online Veröffentlichung der Royal Society
Der Bericht als PDF

[Zurück]


Dies ist eine Archiv-Datei. Wir bitten um Verständnis, dass Links und Inhalte nicht mehr aktualisiert werden. Zum Aufruf des aktuellen Sciencetickers klicken Sie bitte auf eine Rubrik aus der linken Spalte.


Werbung: