6.10.2005, 19:03 Uhr
Abwehrprotein bindet Kunststoffe
Ein Abwehrprotein könnte Schuld sein, wenn der Körper unerwartet stark auf medizinische Gerätschaften und Implantate reagiert. Zu diesem Schluss kommen amerikanische Forscher im "Journal of Biomedical Materials Research". Das Protein lagert sich demnach an eine Reihe von Kunststoffen an und scheint so die Aufmerksamkeit des Immunsystem zu erregen.
Das Protein mit der Bezeichnung Serumamyloid P gehört zum angeborenen Arm des Immunsystems. Das Eiweiß lagert sich in Fünferringen an absterbende Zellen bzw. deren Überreste an und fördert so deren Beseitigung durch weiße Blutkörperchen. "Niemand, auch wir nicht, hat jemals vermutet, dass dieses Protein von Bedeutung für die Körperverträglichkeit von Materialien sein könnte", so Donald Elbert von der Washington University in St. Louis, Missouri.
Mit empfindlichen Analysemethoden verfolgten Elbert und seine Kollegen, welche Blutproteine sich im Laufe mehrerer Stunden auf Oberflächen aus Polypropylen (PP), Polyethylenterephthalat (PET) und Polydimethylsiloxan (PDMS) ablagerten. "Bislang beschränkten sich die meisten Studien auf die 'großen Drei' im Blut - Albumine, Fibrinogen und Gamma-Immunglobuline", so der Forscher. Erstaunlicherweise fanden sich jedoch auf allen drei Kunststoffen relativ große Mengen von Serumamyloid P. Weitere Tests zeigten, dass sich Leukozyten besonders bereitwillig an derart "beschichtete" Kunststoffe anlagerten.
Nach Ansicht Elberts und seiner Kollegen könnte dieses Phänomen zu der Bildung feiner Blutgerinnsel beitragen, wie sie mitunter beim Einsatz von Herz-Lungen-Maschinen, bei der Blutwäsche oder in englumigen Gefäßprothesen entstehen. Solche Gerinnsel können sich lösen und dann Blutgefäße in Lunge, Hirn oder Nieren oder aber das künstliche Gefäß selbst blockieren.
Forschung: Jin-Ku Kim, Evan A. Scott und Donald L. Elbert, Department of Chemical Engineering, Department of Biomedical Engineering und Center for Materials Innovation, Washington University, St. Louis, Missouri
Veröffentlicht in Journal of Biomedical Materials Research, Vol. 75A(1), pp 199-209, DOI 10.1002/jbm.a.30424
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