30.9.2005, 9:50 Uhr
Keine Atempause für Schwalbenmännchen

Während sich Männer nach der Hochzeit mitunter gehen lassen, müssen Schwalbenmännchen ihre Partnerinnen stets aufs Neue beeindrucken. Das haben amerikanische Biologinnen entdeckt. Ungeachtet einer dauerhaften Paarbindung, scheinen die Weibchen die Qualitäten ihres Partners vor jeder Brutsaison aufs Neue zu bewerten - und legen ihm gegebenenfalls mehr "Kuckuckseier" ins Nest.

"Die schlechte Nachricht für männliche Schwalben ist, dass das Paarungsspiel niemals vorbei ist", formuliert Rebecca Safran von der Cornell University in Ithaca, New York. Ganz offenbar sei die Bestimmung der Vaterschaftsverhältnisse ein sehr dynamischer Prozess, schreiben die Forscherin und ihre Kolleginnen im Magazin "Science".

Zu Beginn der Brutsaison 2002 nahmen Safran und Kolleginnen an 15 Brutplätzen Blut- und Federproben von erwachsenen Nordamerikanischen Rauchschwalben (Hirundo rustica erythrogaster). Kurze Zeit später entfernten sie sämtliche Eier aus den Nestern und ermittelten, wie viele Nachkommen auf das zum Nest gehörende Männchen zurückgingen. Dann verhalfen sie einigen der Männchen mit roten Stiften zu einer besonders imposanten Gefiederfärbung, warteten die nächste Brut ab und testeten diese ebenfalls auf ihre Abstammung.

In den ersten Gelegen stammten in jedem zweiten Nest mindestens 90 Prozent der Nachkommen von dem zugehörigen Männchen ab, fanden die Forscherinnen. Das änderte sich mit der zweiten Brut: Die "verbesserten" Männchen zogen nun deutlich mehr eigene Küken groß, während der Anteil bei den nicht manipulierten Vätern gleich blieb. Umgekehrt sank die Zahl der Küken bei diesen Männchen von der ersten zur zweiten Brut. "Dies zeigt, dass die Weibchen sehr genau aufpassen und rasch auf Veränderungen in der Erscheinung ihrer Partner reagieren", so Safran.


Forschung: Rebecca J. Safran und Irby J. Lovette, Department of Ecology and Evolutionary Biology, Cornell University, Ithaca, New York; und andere

Veröffentlicht in Science, Vol. 309, 30. September 2005, pp 2210-2

WWW:
Cornell Lab of Ornithology
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