5.10.2005, 11:41 Uhr
Ernährung nicht entscheidend für Acrylamidbelastung?

Bestimmte Lebensmittel enthalten das als krebserzeugend eingestufte Acrylamid. Möglicherweise spielt die Ernährung für die Gesamtbelastung des Körpers mit der Verbindung jedoch eine geringere Rolle als bislang angenommen, lässt eine Hannoveraner Studie vermuten. Selbst bei starkem Verzehr von Kartoffelchips oder Pommes Frites ist die Belastung demnach nicht deutlich erhöht.

Raucher weisen dagegen eine klar erhöhte Belastung auf, fanden die Mediziner um Renate Wrbitzky von der Medizinischen Hochschule Hannover. Im Rahmen ihrer Studie analysierte sie das Blut von 395 Personen - vom Vegetarier über den "Normalesser" bis hin zu solchen, die mehrmals pro Woche Nahrungsmittel mit relativ hohem Acrylamidgehalt verzehren. Die Resultate präsentieren sie jetzt im "Deutschen Ärzteblatt".

Acrylamid reagiert im Körper nicht nur mit DNA, sondern auch mit Proteinen wie dem Blutfarbstoff Hämoglobin. Als Maß für die mittelfristige Acrylamidbelastung bestimmten Wrbitzky und Kollegen die Konzentration eines der Reaktionsprodukte, des N-(2-Carbamoylethyl)-Valin (CbEV). Das Addukt war in 83 Prozent der Blutproben nachweisbar: Bei Nichtrauchern betrug seine Konzentration im Schnitt 0,4 Mikrogramm pro Liter, bei Rauchern dagegen 1,5 Mikrogramm pro Liter.

Acrylamid findet sich vor allem in stärkehaltigen Lebensmitteln, die bei der Herstellung stark erhitzt werden. Zwar waren die Werte bei den wenigen Nichtrauchern mit extremem Fritten- und Chipskonsum leicht erhöht, der Unterschied war statistisch jedoch nicht signifikant. "Es ist fraglich, ob die Ernährungsweise dieser Personen tatsächlich zu den höheren Messwerten führt", erklärt Wrbitzky. Vielleicht gehe die Belastung auf weitere Umweltfaktoren oder auf Nebenprodukte des normalen Stoffwechsels zurück. Allein aufgrund des Ernährungsverhaltens lasse sich das durch Acrylamid bedingte Krebsrisiko offenbar nur schwer einschätzen.


Forschung: Michael Bader, Hartmut Hecker und Renate Wrbitzky, Institut und Poliklinik für Arbeitsmedizin, Medizinische Hochschule Hannover

Veröffentlicht in Deutsches Ärzteblatt, Vol. 102(39), A 2640-3

WWW:
Arbeitsmedizin, MHH
Bundesinstitut für Risikobewertung
- Fragen und Antworten zu Acrylamid

[Zurück]


Dies ist eine Archiv-Datei. Wir bitten um Verständnis, dass Links und Inhalte nicht mehr aktualisiert werden. Zum Aufruf des aktuellen Sciencetickers klicken Sie bitte auf eine Rubrik aus der linken Spalte.


Werbung: