3.10.2005, 12:11 Uhr
Spinnenblut in Bernstein
Die ersten Tropfen fossilen "Spinnenbluts" hat ein britischer Paläontologe entdeckt. In etwa 20 Millionen Jahre altem Bernstein erhalten, könnte die uralte Leibesflüssigkeit vielleicht noch sequenzierbare Erbgutstücke enthalten, hofft der Forscher.
David Penney von der University of Manchester entdeckte die Fossilien in einem fingergroßen Stück Bernstein aus der Dominikanischen Republik. "Es ist eine faszinierende Vorstellung, dass ein einzelnes Fundstück [...] einen Blick in den Alltag vor 20 Millionen Jahren erlaubt", begeistert sich der Forscher. Seinen Fund präsentiert er im Fachblatt "Palaeontology".
Der Bernstein aus dem frühen Miozän enthält gleich zwei Spinnen aus der Familie der Lochröhrenspinnen (Filistatidae), heute vor allem in wärmeren Regionen vertreten. Beide Tiere scheinen kurz vor ihrem Tod noch versucht zu haben, sich durch Abstoßen von Beinen aus ihrer klebrigen Falle zu befreien. Und beide haben letztlich etwas Hämolymphe verloren.
Insbesondere die Position der Tröpfchen relativ zu den Spinnenkörpern erlaube es, die letzten Augenblicke im Leben der Tiere zu rekonstruieren, so Penney. Offenbar seien sie auf der Baumrinde aufwärts gelaufen und dabei nicht etwa auf zähflüssigem Harz hängen geblieben, sondern schlagartig von relativ dünnflüssigem, rasch fließendem Harz eingeschlossen worden.
Forschung: David Penney, School of Earth, Atmospheric and Environmental Sciences, The University of Manchester
Veröffentlicht in Palaeontology, Vol. 48(5), pp 925-7, DOI 10.1111/j.1475-4983.2005.00491.x
WWW:
Palaeontology and Palaeobotany, U Manchester
Filistatidae
Das blaue Blut der Insekten, Spinnen und Krebse
Baltic Amber
Mikro-Menagerie in Harz
Erste Spinnenseide schon vor 300 Millionen Jahren?
| [Zurück] | |

