27.7.2005, 11:52 Uhr
Besser Werben mit nutzlosen Gaben

Wenn ein Mann eine Frau beeindrucken will, sollte er sie lieber in ein edles Restaurant ausführen, statt ihr Schmuck zu schenken. Zu diesem Schluss kommen zwei britische Mathematiker im Fachblatt "Proceedings of the Royal Society: Biological Sciences". An sich nutzlose Geschenke reduzierten nicht die Paarungschancen, schreckten jedoch allein an Geld interessierte Frauen ab.

"Geschenke zu machen, ist ein Merkmal des menschlichen Werbens und von Paarungssystemen zahlreicher Spezies", erläutert Peter Sozou vom University College London. Da Weibchen mehr in den Nachwuchs investierten, müssten sie ihre Partner besonders sorgfältig auswählen, "etwas, das anhand allgemeiner Hinweise wie Aussehen und Erscheinung schwerlich zu bewerkstelligen ist".

Sozou und sein Kollege Robert Seymour suchten, das Werben mit all seinen Unwägbarkeiten und Stolpersteinen durch eine schlichte Entscheidungskette nachzuahmen: Das Männchen offeriert ein Geschenk, das Weibchen begutachtet es und entscheidet, ob es die Gabe annehmen soll oder nicht. Erst dann entscheidet das Weibchen, ob es sich mit dem Männchen einlässt oder nicht. Dabei ist es jedoch im Unklaren über die wahren väterlichen oder genetischen Qualitäten des Männchens.

Stets ergaben die Berechnungen der Mathematiker das gleiche Resultat: Teure und "extravagante" Geschenke - im Falle des Homo sapiens etwa ein Theaterabend oder eine Reise - signalisieren dem Weibchen ein ernsthaftes Interesse des Männchens. Indem sie immanent nutzlos sind, schrecken sie jedoch solche Weibchen ab, denen der Sinn lediglich nach materiellen bzw. finanziellen Vorteilen steht. "Unsere Analyse belegt, dass es aus evolutionärer Sicht durchaus Sinn macht, Geld zu verpulvern, um die Liebste zu beeindrucken", schließt Seymour.


Forschung: Peter D. Sozou und Robert M. Seymour, Centre for Mathematics and Physics in the Life Sciences and Experimental Biology (CoMPLEX) und Department of Mathematics, University College London

Online-Veröffentlichung Proceedings: Biological Sciences, 26. Juli 2005, DOI 10.1098/rspb.2005.3152

WWW:
CoMPLEX, University College London
Evolutionary Game Theory
Waste: A sexual critique of consumerism
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