30.7.2005, 12:47 Uhr
Astronomen finden "zehnten Planet"
Drei amerikanische Astronomen haben ein Objekt am Rande des Sonnensystems entdeckt, das vermutlich deutlich größer als der Planet Pluto ist. Ihrer Ansicht nach ist es gerechtfertigt, von einem zehnten Planeten der Sonne zu sprechen.
Mike Brown vom California Institute of Technology in Pasadena und seine Kollegen hatten die ferne Welt bereits im Oktober 2003 erspäht, damals jedoch noch nicht als Begleiter der Sonne erkannt. Ihre Beobachtungen am Palomar Observatory und mit dem Gemini-Teleskop auf Hawaii zeigten, dass das Objekt mit der technischen Bezeichnung 2003 UB313 derzeit etwa 97 Mal weiter von der Sonne entfernt ist als die Erde. Pluto hält dagegen einen mittleren Abstand von gut 40 Erdbahnradien.
Aufgrund seiner großen Entfernung bewegt sich 2003 UB313 sehr langsam über den Himmel. Bilder: Samuel Oschin Telescope, Palomar Observatory
Anhand der Helligkeit von 2003 UB313 schätzen die Forscher, dass es deutlich größer ist als der neunte Planet mit seinem Durchmesser von 2.250 Kilometern. "Selbst wenn es das Sonnenlicht zu 100 Prozent reflektieren sollte, wäre es noch so groß wie Pluto", betont Brown. "Ich würde sagen, es könnte anderthalbmal so groß sein, aber den tatsächlichen Wert kennen wir noch nicht."
Die Bahn von 2003 UB313 ist um 44 Grad gegen die Bahnen der meisten übrigen Planeten geneigt. Möglicherweise wurde es einst durch die Schwerkraft des Neptun in die Außenbezirke des Sonnensystems katapultiert.
So könnte ein Sonnenaufgang über 2003 UB313 aussehen. Illustration: NASA/JPL-Caltech
Brown und Kollegen haben bereits einen Namensvorschlag bei der Internationalen Astronomischen Union eingereicht, wollen ihn vorerst jedoch geheim halten. In der Vergangenheit waren die Forscher kritisiert worden, da sie ein anderes von ihnen entdecktes Objekt ohne formelle Zustimmung auf den Namen "Sedna" getauft hatten.
Die Entdeckung Sednas und ähnlich großer und weit entfernter Objekte hatte zudem eine Diskussion um den Begriff "Planet" entfacht. Einige Forscher hatten vorgeschlagen, Pluto nicht mehr als Planeten anzusehen, sondern als besonders großes Objekt im Kuipergürtel. In dieser Region jenseits der Neptunbahn, in der es vor Brocken unterschiedlichster Größen nur so wimmelt, wurden spanische Astronomen nun ebenfalls fündig: 2003 EL61 zieht etwa 52 Erdbahnradien von der Sonne entfernt seine Bahn. Zwar dürfte das Objekt "nur" zwei Drittel des Plutodurchmessers erreichen, besitzt immerhin aber einen kleinen Mond.
Forschung: Chad Trujillo, Gemini North Observatory, Hilo, Hawaii; Michael E. Brown, Department of Astronomy, California Institute of Technology, Pasadena; David Rabinowitz, Department of Astronomy, Yale University; Jose Luis Ortiz Moreno, Departamento Sistema Solar, Instituto de Astrofisica de Andalucía, Granada; und andere
WWW:
Homepage Mike Brown
Palomar Observatory
Homepage Jose Luis Ortiz
Pluto
Kuiper Belt
International Astronomical Union
- Naming of Planets and Sedna
Mehr Licht aus dem Kuipergürtel
Großes Objekt am Rande des Sonnensystems entdeckt
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