28.7.2005, 21:02 Uhr
Vogel wirbt mit Feder-Zirpen
Einen höchst ungewöhnlichen Weg zur Schallerzeugung hat ein südamerikanischer Vogel gefunden. Ähnlich Grillen, nutzen die Männchen waschbrettartige Federstrukturen, um eine Art Zirpen zu produzieren. Dieses klingt bei ihnen allerdings eher wie eine Geige, berichtet ein amerikanisches Biologenduo im Magazin "Science".
"Im Grunde genommen hat sich bei dieser Art ein Musikinstrument entwickelt, und zwar ein ziemlich ausgefeiltes", erläutert Kimberly Bostwick von der Cornell University in Ithaca. Die Biologin und ihr Kollege Richard Prum von der Yale University in New Haven studierten den Keulenschwingenpipra (Machaeropterus deliciosus). Die prächtig gefärbten Männchen der spatzengroßen Art buhlen im direkten Wettbewerb um die Gunst der Weibchen. Dabei produzieren sie immer wieder zwei Klicklaute, gefolgt von einem Ton, der an eine gezupfte Geigensaite erinnert.
Erzeugt wird das "Tick Tick Ting" mit Hilfe umgestalteter Schwungfedern, fanden Bostwick und Prum. Die Schäfte der sechsten und siebten Armschwingen sind an ihren Enden keulenartig erweitert und so gedreht, dass sie einander berühren. Die Oberfläche der sechsten Armschwinge weist zudem wachsbrettartige Rillen auf. Der Schaft der benachbarten fünften Armschwinge läuft dagegen in eine steife, spatenartige Struktur aus.
Um die Tick-Laute zu produzieren, schlagen die Vögel ihre Flügel zweimal über dem Rücken zusammen, sodass die Armschwingen aufeinanderprallen. Der Ting-Laut wird ähnlich erzeugt, nach dem Zusammenschlagen schütteln die Vögel ihre Flügel jedoch gegeneinander, sodass die aufgeblähten Armschwingen immer wieder kollidieren. Zwar schwingen sie dabei nur 107 Mal pro Sekunde hin und her. Der "Spaten" der fünften Armschwinge schabt bei jedem Zyklus jedoch über die Rillen auf der sechsten, vermuten die Biologen, sodass die Schäfte letztlich Töne mit einer Grundfrequenz von etwa 1,5 Kilohertz abgeben.
Foto: M. deliciosus macht "Ting". Copyright Science
Forschung: Kimberly S. Bostwick, Department of Ecology and Evolutionary Biology, Cornell University, Ithaca, New York, und Richard O. Prum, Department of Ecology and Evolutionary Biology und Peabody Museum of Natural History, Yale University, New Haven, Connecticut
Veröffentlicht in Science, Vol. 309, 29. Juli 2005, p 736
WWW:
Homepage Kimberly Bostwick
Homepage Richard Prum
Das Gefieder der Vögel
Schallproduktion bei Heuschrecken
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